Im Rahmen einer Pressekonferenz in Brüssel trat Außenminister Ahmet Davutoğlu Behauptungen armenischer Kreise und der syrischen Regierung entgegen, wonach die Türkei den Terroristen die Einnahme von Kasab ermöglicht hätte.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu sagte in einem Gespräch mit Pressevertretern in Brüssel, die Tore der Türkei stünden „weit offen“ für die hauptsächlich armenischen Einwohner der syrischen Region Kasab, die derzeit von schweren Kämpfen zwischen syrischen Rebellengruppen heimgesucht wird.

Der Außenminister wehrte sich bei dieser Gelegenheit gegen Anschuldigungen, die Türkei würde aktiv in die Syrien-Krise eingreifen und einer Al-Qaida nahe stehenden  syrischen Rebellengruppe Unterstützung leisten, die unter anderem Armenier töte.

„Dies ist nicht der Fall“, betont Davutoğlu. Seit dem Beginn der Auseinandersetzungen rund um Kasab habe er mehrere Statements veröffentlicht und den derzeit amtierenden armenischen Patriarchen sowie mehrere führende Minderheitenvertreter darüber in Kenntnis gesetzt, dass Armenier aus Kasab in der Türkei jederzeit Aufnahme finden könnten.

Die Türkei, so Davutoğlu, werde jedem helfen, der aus dem Syrienkrieg flüchte, und werde die Armenier ohne jede Diskriminierung willkommen heißen, so wie man dies auch bei Hunderttausenden anderer Flüchtlinge gehandhabt habe.

Armenische Lobbyorganisation in den USA spricht im Weißen Haus vor

Die terroristische Al-Nusra-Front hatte am 16. März Kasab eingenommen, zwei Tage nach Beginn einer Offensive. Die meisten armenischen Bewohner der im Nordwesten von Syrien gelegenen, zur Provinz Latakia gehörenden Stadt hatten daraufhin die Flucht ergriffen. Für Aufsehen hatte gesorgt, dass die türkische Luftwaffe ein syrisches Kampfflugzeug abgeschossen hatte. Außerdem beschoss das türkische Militär Ziele in Syrien, nachdem ein aus Syrien abgefeuertes Geschoss in einem türkischen Dorf eingeschlagen war.

Die syrische Regierung und mehrere armenische Webseiten in aller Welt behaupteten daraufhin am 24. März, die Rebellen wären aus der Türkei ins Land gekommen. Das Armenische Nationalkomitee in Amerika (ANCA) forderte das Weiße Haus auf, Druck auf die Türkei auszuüben, damit diese ihre Unterstützung für syrische Rebellen einstelle. Der türkische Außenminister bezeichnete die Vorwürfe, die Türkei erlaube Rebellen, ihr eigenes Territorium als Basis für Angriffe zu nutzen, am 26. März als „völlig substanzlos“.

Am Montag hatten drei Einwohner der überwiegend armenisch bewohnten Stadt Kasab die Türkei erreicht, nachdem syrische Rebellen sie zur Grenze begleitet hatten. Es handelte sich dabei um zwei Schwestern im Alter von 80 und 82 Jahren und eine Türkisch sprechende Frau im Alter von 90 Jahren. Bezirksgouverneur Turan Yılmaz hieß die Frauen willkommen. Nachdem ihnen Essen gereicht wurde, konnten sie sich mit in der Türkei lebenden Verwandten in Verbindung setzen.

Kim Kardashian twittert über Kasab

Alle Geflüchteten bedankten sich für die türkische Gastfreundschaft. Sie hatten nach eigener Angabe nichts von den Gefechten mitbekommen, ehe Rebellen an ihre Häuser kamen und ihnen anboten, sie zur türkischen Grenze zu begleiten.

Auch die aus dem amerikanischen Fernsehen bekannte Schauspielerin Kim Kardashian hat zum Thema „Kasab“ ein Statement abgesetzt und dabei einen Zusammenhang mit den Ereignissen von 1915 hergestellt. Auf Twitter schrieb sie am 30. März: „Wenn Ihr nicht wissen solltet, was in Kasab passiert, dann googelt es… als Armenierin wuchs ich damit auf, so viele schmerzhafte Geschichten zu hören“. In einem anderen Tweet hieß es: „Bitte lasst die Geschichte sich nicht wiederholen.“ Dabei wurden die Hashtags „Save Kassab“ und „Armenian genocide“ verwendet – ein Begriff, der in der armenischen Community für den Tod von Armeniern im Osmanischen Reich des Jahres 1915 verwendet wird.