Die geplante Teilnahme Recep Tayyip Erdoğans an der Beerdigung der Boxlegende Muhammad Ali wird zum nächsten PR-Debakel für den türkischen Präsidenten in den USA: Wie türkische Medien unter Berufung auf das Präsidialamt berichten, hat Erdoğan seinen Besuch noch vor der eigentlichen Beisetzung abgebrochen und ist auf der Rückreise in die Türkei. Grund sei eine Reihe von Zwischenfällen seit Erdoğans Ankunft, die den Präsidenten verstimmt haben.

So hätten Erdoğan und der Präsident der türkischen Religionsbehörde Diyanet, Mehmet Görmez, ein Stück Tuch von der Kaaba, dem Heiligtum im Zentrum der großen Moschee von Mekka, mitgebracht, das sie bei der Beisetzung auf Alis Sarg legen wollten. Vertreter von Alis Familie hätten das Tuch entgegengenommen und gesagt, dass sie dem Wunsch nachkommen und es auf dem Sarg platzieren würden. Erdoğan habe jedoch darauf bestanden, das während der Zeremonie persönlich zu tun, was Alis Angehörige ihm verweigerten.

Wie die Zeitung Hürriyet weiterhin berichtet, hätten Erdoğan und Görmez auch verlangt, bei der Beisetzung Koranverse rezitieren zu können. Da dies jedoch dem für die Beerdigung zuständigen Imam Zaid Shakir vorbehalten ist, wurde ihnen das ebenfalls verweigert. Dies habe Erdoğan dann zur Entscheidung bewogen, seinen Besuch abzubrechen und in die Türkei zurückzukehren.

Bereits vor drei Tagen kam es zu Verstimmungen, als mitgeteilt wurde, dass Erdoğans Wunsch, bei der Beisetzung in Alis Heimatstadt Louisville eine Rede zu halten, nicht nachgekommen werden könne. Erdoğan und der jordanische König Abdullah II. wollten Reden auf der Trauerfeier halten, was jedoch mit der Begründung abgelehnt wurde, dass keine ausländischen Staatsgäste für Trauerreden eingeplant seien und es „im Programm schlicht keinen Platz für sie gebe“, wie Bob Gunnell, Sprecher der Familie, sagte.

Mit Spannung war von vielen auch eine mögliche Begegnung Erdoğans mit dem muslimischen Prediger Fethullah Gülen erwartet worden, den Alis Familie zur Beerdigung eingeladen hatte. Der Konflikt zwischen beiden Männern führte zur selbsternannten „Hexenjagd“, die Erdoğan gegen Gülens Hizmet-Bewegung in der Türkei durchführen lässt. Gülen hat seine Teilnahme jedoch ohnehin aufgrund gesundheitlicher Probleme abgesagt.

Eine weitere Auseinandersetzung am Rande von Erdoğans USA-Aufenthalt soll es zwischen dem US Secret Service, der für die Sicherheit auf der Veranstaltung zuständig ist, und den Leibwächtern des türkischen Präsidenten gegeben haben, als ein Secret-Service-Agent dem türkischen Präsidenten zu nahe gekommen sein soll. Seine Leibwächter hätten zu verhindern versucht, worauf es zu Streitigkeiten kam.

Bereits Erdoğans letzter USA-Besuch Ende März sorgte für schlechte Publicity für den türkischen Präsidenten und sein Land. Erdoğans Leibwächter waren gegen Demonstranten und kritische Journalisten vorgegangen und dabei teils handgreiflich geworden. Bei einem Zwischenfall musste die US-Polizei eingreifen, bei einem anderen machten sich Erdoğans Leibwächter zum Gespött, als sie versuchten, die Rufe kritischer Demonstranten mit lauten „Ah!“-Rufen zu übertönen.