Zwar bescheinigt einem jede Statistik, dass rassistische Einstellungen in der Bevölkerung verbreitet sind – und dies ist auch in Österreich nicht anders als anderswo. Kurioserweise gibt es aber eine Institution, die sich für frei von Rassismus erklärt hat: Die Österreichische Bundesbahn (ÖBB). Wir gratulieren! Und gerne würden wir erfahren, wie das gelungen ist, und ob man diese Besonderheit dort irgendwie lernen kann – das wäre ja ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft, denn Rassismus richtet nachweislich genug Schaden an, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und, damit direkt in Verbindung, den Wohlstand.

Als Störfaktor in der Frage des Selbstbildnisses hat sich Zugbegleiter Yüksel Yılmaz entpuppt und wurde entlassen. Den Kollegen Rassismus vorzuwerfen und sogar der Institution, die laut Yılmaz nicht wirksam gegen die Diskriminierung rumänischer, schwarzer, türkischer und weiblicher Kollegen vorgegangen sei, kam nicht so gut an. Der Pressesprecher der ÖBB beantwortete die Frage nach der Causa Yılmaz wie folgt: „[…] Zum konkreten Vorwurf der diskriminierenden Fotos in ÖBB-Räumen: es wurde jedem einzelnen Foto nachgegangen und sofortige Überprüfungen in den von Herrn Yılmaz genannten Orten durchgeführt. In keinem einzigen Fall, wurden solche ,Schmierereien‘ gefunden.“ Am Schluss der Mailantwort heißt es dann noch: „Die fristlose Entlassung von Herrn Yılmaz hat nichts mit seinen Kritikpunkten zu tun, sondern arbeitsrechtliche Gründe, die wir aus Datenschutzgründen nicht näher erläutern können.“

Entlassung hat angeblich nichts mit der Kritik zu tun

Entweder liegt hier ein Trauma vor aufgrund der Debatte um diesen Fall, der allerdings vor allem in nicht österreichischen Medien geführt wird, oder aber die Frage traf einen wichtigen Nerv – denn ich hatte nicht nach Fotos gefragt und bis zu diesem Zeitpunkt auch keine gesehen. Was jedoch stimmt ist, dass die mir dann zugeleiteten Fotos zu unspezifisch sind und – zumindest für Außenstehende – nicht genau den Ort identifizieren, wo sie aufgenommen wurden. Deren fehlenden Beweischarakter gleichen aber andere Zeugen wieder aus, am aussagefreudigsten ein ehemaliger Kollege, der aus genau den genannten Gründen die ÖBB verlassen hat – so in einem Bericht der taz.

Der Vorwurf der Diskriminierung von Minderheiten wendete sich bald gegen Yılmaz selbst. Anscheinend schien es naheliegend, einem Muslim Frauenfeindlichkeit zu unterstellen, wo er diese angeprangert hatte – auf Grund der sexistischen Plakate in den Dienststellen. Als Pedant zeigte sich Yılmaz bereits des Öfteren, und das brachte ihm keine Sympathien ein. So mahnte er nicht nur die verbale Herablassung gegenüber Kollegen an, die aus Sicht der österreichischen Kollegen nicht ins Team gehörten, sondern auch den Verstoß gegen das Verbot, Alkohol am Arbeitsplatz zu konsumieren. Der Hauptbahnhof Lax2 Teamleiter am ÖBB Hauptdienstsitz in Wien forderte ihn gar auf, die Kühlschränke mit entsprechendem Inhalt zu verleugnen. Natürlich ist gut vorstellbar, dass auch diese Penetranz Yılmaz‘ als „typisch islamisch“ gewertet wurde, was ihm wiederum weitere Sympathien entzogen haben dürfte. Ihm wurde während eines Krankenstandes gekündigt, aber das will er so nicht hinnehmen.

Yılmaz klagt

Bei der Gleichbehandlungskommission im österreichischen Bundeskanzleramt, wo Yüksel Yılmaz einen Antrag auf Prüfung des Sachverhalts eingereicht hat, steht eine konkrete Anhörung am 12. November an. Seine Klage auf Wiedereinstellung beim österreichischen Arbeits- und Sozialgericht hat noch zu keinem Urteil geführt. Das wird jeden Moment erwartet.

Schließlich erklärte die ÖBB: ÖBB Erklärung

Wie gesagt, wir gratulieren!

Obwohl, so ein paar verräterische Begriffe und Formulierungen gibt es auch hier. Da wird gleich am Anfang ein Gegensatz konstruiert zwischen der Vielfalt der Herkunftsländer der Belegschaft etwa und dem Gelingen der Kollegialität, indem der Satzanschluss mit „Nichtsdestotrotz“ eingeleitet wird. Also, „trotzdem“ ist eine gute Zusammenarbeit gelungen, obwohl … man es nicht erwarten konnte? … es schwierig ist unter den Umständen? … es sonst nicht gelingt? Der Gegensatz im Wörtchen „trotz“ stellt einen Widerspruch zum vorher Gesagten dar und verrät eine Einstellung.