Bei der WM 2014 zeichnete sich Robin van Persie mit dem unglaublichen Flugkopfballtor noch selbst aus. Die meisten Fußball-Fans werden sich an den Treffer erinnern, der so vorher noch nie erzielt wurde. Der ohnehin für außergewöhnliche Tore bekannte „The Flying Dutchman“ schoss das schönste und akrobatischste Tor der vergangenen Weltmeisterschaft.

Doch diese Tage liegen heute lange zurück. Nach einer schweren Saison mit Verletzungsproblemen in Manchester fehlen ihm heute in der Türkei die Einsätze. Er steckt in der Krise. Was ist die Ursache dafür?

Vor wenigen Wochen reagierte der erfahrene Stürmer trotzig auf seine späten Einwechslungen bei Fenerbahçe Istanbul und sagte nach dem Spiel, das nur durch seinen entscheidenden Treffer gewonnen werden konnte: „Ich bin fit genug,um 90 Minuten zu spielen!“

Als Ex-Fener-Spieler Dirk Kuyt 2013 gegenüber türkischen Sportjournalisten offenbarte, dass er seinem Freund van Persie viel über Fenerbahçe und das Leben am Bosporus erzählt und dieser Interesse an Fenerbahçe bekundet habe, glaubten die Fans nicht ernsthaft an einen Transfer. Sie sind die andauernden Lügen und Gerüchte des türkischen Sportjournalismus satt und glauben schon lange nicht mehr alles, was sie zu lesen bekommen. Aber als dann der italienische Sportdirektor von Fenerbahçe, Giuliano Terraneo, van Persie tatsächlich nach Istanbul lotste, war die Metropole im Ausnahmezustand. Selbst rivalisierende Fans gratulierten Fenerbahçe zu dem außergewöhnlichen Transfer.

Fernandao gesetzt

Aber niemand hätte an diesen Tagen gedacht, dass van Persie selbst in der siebten Woche der türkischen Süper Lig noch auf seinen Stammplatz warten müsste. Sicherlich hat sich auch van Persie seine Zeit in Istanbul anders vorgestellt. Aber Coach Vitor Pereira gab bislang José Fernandao (Foto, im Hintergrund) den Vorzug. Der Brasilianer, der als aktueller Torschützenkönig von Bursaspor kam, erzielte bei fast allen Einsätzen mindestens ein Tor und festigte somit seinen Platz in der Startformation.

Sportzeitungen verglichen die Einsatzzeit van Persies mit der von Daniel Guiza, dem wohl größten Flop der jüngeren Fenerbahçe-Geschichte. Mit der bitteren Erkenntnis, dass sogar der glücklose Spanier in seinen ersten Wochen deutlich mehr spielen durfte als van Persie. Ein Affront.

Damit nicht genug. Neben der persönlichen Krise kam in den letzten Monaten auch die Formkrise der niederländischen Nationalmannschaft hinzu. Mit dem Ergebnis, dass der eigentlich unantastbare van Persie zunächst seinen Stammplatz, dann später auch noch die Kapitänsbinde verlor. Jetzt kam auch noch das Aus in der EM-Qualifikation hinzu. Seine Zukunft in der Elftal ist damit offener denn je, bei der WM 2018 wäre er fast 35 Jahre alt.

Dabei hat er bei weitem nichts von seiner großen Qualität verloren, die ihn vom übrigen Rest so sehr abhebt und zu einem besonderen Spieler macht. Das bewies er auch noch mal im gestrigen Spiel gegen Tschechien, auch wenn ihm zwischenzeitlich ein Eigentor unterlief.

Ich habe die mentale Kraft, das zu meistern!

In einem Interview hat der gestandene Superstar nun erwähnt, dass er bei seinem erfahrenen Alter von 32 Jahren genau die mentale Stärke habe, über diese schwierigen Tage hinweg zu kommen. Er glaubt an sich und das ist zunächst einmal das wichtigste. Seine körperliche Statur und seine kräftige Physis scheinen auch nichts an alter Stärke verloren zu haben, auch wenn er nicht mehr so spritzig ist wie früher.

Es ist abzuwarten, ob der Trainer von Fenerbahçe weiterhin nicht auf seinen Star in der Mannschaft setzt. Für gewöhnlich machen das türkische Fans nicht allzu lange mit. Der Portugiese Pereira kennt diesen türkischen Geduldsfaden noch nicht so recht. Die fantastischen Bilder von dem Tag, als van Persie in Istanbul ankam, sind nicht vergessen. Bei einem Interessenskonflikt zwischen Trainer und Superstar würde sich der Großteil der Fans auf die Seite von van Persie stellen. Er ist jetzt schon der Liebling der Fans. Allein wenn er sich zum Aufwärmen bereit macht, sind die Fener-Fans völlig aus dem Häuschen.

Bei aller Kritik an einem Superstar sollte man ihm auch ein wenig Respekt entgegenbringen. Solange van Persie selbst zuversichtlich ist, darf man ihn auch nicht abschreiben. Der Holländer wird zurückkommen, ganz sicher! Möglicherweise wird dann ein neuer Trainer da sein, aber die Fans werden weiter zu ihrem „The Flying Dutchman“.