Der Gebetsruf im Film

Der Film „Zimt und Koriander“ (engl. „A touch of Spice“), den seit seinem Kinostart 2003 in mehr als zwei Millionen Menschen gesehen und bereits in der ersten Szene den gehört haben, beantwortet die Diskussionsfrage in der kurzerhand.

Eine Stellungnahme zu der Diskussion, die der Schauspieler Yilmaz Erdoğan ausgelöst hat, gab der griechische Filmregisseur und Drehbuchautor Tassos Bulmetis (55) in der Zaman.

Bulmetis beginnt seinen Film „Zimt und Koriander“ mit einer Szene, in der der Muezzin von einem imposanten Minarett zum Gebet ruft. „Ein Künstler, der in der heutigen Gesellschaft von Fakten reden will, muss die Freiheit haben, alle visuellen und auditiven Bestandteile seiner Umgebung ausnutzen zu dürfen. Die visuellen Bestandteile zeigen, dass die Gesellschaft lebendig und realistisch ist“, erklärte Bulmetis.

„Ich habe den Gebetsruf in meinem Film mit vollem Respekt verwendet. Wie Sie sich vielleicht erinnern können, ist im selben Film ein griechisch-orthodoxer Priester zu sehen. Somit wollte ich versuchen, die griechische Minderheit in , einer multikulturellen und multireligiösen Stadt, zu zeigen und wie diese beiden Faktoren das tägliche Leben beeinflussen.“ Und fügte hinzu: „Manchmal will die Gesellschaft Dinge aus ihrer eigenen Sicht sehen, doch der Künstler erzählt der Gesellschaft die Dinge aus seiner eigenen Perspektive. Es handelt sich um ein uraltes Diskussionsthema zwischen den zeitgenössischen Künstlern und der türkischen Gesellschaft, die sehr alte Wurzeln hat.“

Laut Bulmetis sollte der Künstler sich keine Sorgen darüber machen, ob er nun westlich oder östlich ist: „Die Gesellschaft sollte Künstlern die freie Meinungsäußerung gewährleisten, somit kann sie sich weiterentwickeln und immer besser werden. Wenn Künstler Mut haben zu sagen was sie wollen, würde die Gesellschaft humaner. Künstler sind in der Lage, die Schwächen und der Gesellschaft zur Schau zu stellen.“ Der griechische Regisseur unterstreicht außerdem die Notwendigkeit, realistisch zu produzieren, wenn auch unter Berücksichtigung der Empfindlichkeiten seiner Gesellschaft.
„Zimt und Koriander“ zeigt die der von Istanbul im Jahre 1964 nach Griechenland Ausgewiesenen. Bulmetis fügt im Hinblick auf die Bedeutung der hinzu: „Für mich ist die ein Teil der Kultur. Ich kenne meine und lebe sie aus, mache mir somit meinen schmackhaft. In dem Zeitraum, in dem der Film spielte, bildeten sich Gemeinschaften außerhalb Griechenlands mit der im Zentrum, so wie die Minderheit West-Thrakiens (Türkisch) sich rund um die versammelten. Soweit ich mich an diese Zeit erinnern kann, wurde unser ganzes Leben rund um die organisiert. „

„Bis zu seinem schwärmte mein Vater von Istanbul“
Bulmetis´ Vater wurde 1919 in Istanbul geboren und hatte ein Geschäft für Lederwaren, welches vom Staat später beschlagnahmt wurde. Im Jahre 1964, als Bulmetis sieben Jahre alt war, wurde er gezwungen, mit seiner Familie die Stadt zu verlassen, in der sie geboren wurden. Den Schmerz über diesen Verlust hat sein Vaters nie überwunden: „Mein Vater konnte das im Jahre 1964 verlassene Istanbul nicht mehr besuchen. Bis zu seinem Tod wachte er jeden Morgen auf und schwärmte von Eminönü, Kocamustafapaşa und Kadıköy.“

„Istanbul ist die schönste Stadt der Welt“, sagt der Regisseur und erwähnt, dass er oft nach Istanbul reist und die meiste Zeit mit seinen Freunden verbringt. Er hat bereits ein neues Projekt angekündigt, welches die Türkei wie in „Zimt und Koriander“ zum Thema haben wird. In Griechenland brach der Film „Zimt und Koriander“ (2003) alle Rekorde mit Millionen von Zuschauern. Der Film hat acht Filmpreise im In- und Ausland gewonnen und wurde auf vier Kontinenten in 45 verschiedenen Ländern aufgeführt. Bulmetis´ nationale und internationale Lang-, Kurz- und Dokumentarfilme wurden insgesamt mit mehr als 20 Preisen ausgezeichnet. ZAMAN
Übersetzung: Aysegül Temiz