Bei einem Selbstmordanschlag in der indonesischen Hauptstadt Jakarta starben am Donnerstag mindestens sieben Menschen, darunter die Täter. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) bekannte sich kurz darauf zu dem Attentat. Es ist das erste Mal, dass der IS einen Anschlag in Indonesien verübt hat.

Der IS plane die Errichtung eines „distant Caliphate“ – eines entfernten Kalifats – in Südostasien, warnte vor wenigen Wochen Australiens Generalstaatsanwalt George Brandis nach einem Treffen australischer und indonesischer Sicherheitsexperten in Jakarta. „Der IS hat die Ambition, entweder direkt oder durch Stellvertreter seine Präsenz und seine Aktivitäten in Indonesien auf eine neue Ebene zu bringen“, so Brandis.

Indonesien ist weltweit die Nation mit dem größten muslimischen Bevölkerungsanteil. Der aus 17.000 Inseln bestehende Staat ist auch Heimat einer großen Zahl militanter und terroristischer islamistischer Organisationen. Eine Reihe indonesischer Terroristen haben dem IS die Treue geschworen, etwa der inhaftierte Gründer und spirituelle Führer der indonesischen Terrorgruppen Jemaah Islamiyah (JI) und Jamaah Ansharut Tauhid (JAT), Abu Bakar Bashir, und Indonesiens meistgesuchter Terrorist Santoso.

Das Land war in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten immer wieder Schauplatz von Anschlägen. Der blutigste war der Bombenanschlag auf zwei Nachtclubs auf Bali, bei dem im Oktober 2002 mehr als 200 Menschen starben. Bei dem letzten großen Anschlag in Jakarta waren 2009 die beiden Luxushotels JW Marriott und Ritz-Carlton das Ziel.
Seitdem erzielte die indonesische Polizei jedoch auch große Erfolge bei der Bekämpfung des Terrorismus.

IS breitet sich in Südostasien aus

Der IS ist auch in anderen südostasiatischen Ländern längst präsent. So hat die Terrororganisation nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden etwa in Malaysia bereits Schläferzellen platziert. Sorge bereitet der malaysischen Polizei neben der Zahl malaysischer Kämpfer in den Reihen des IS, dass sich immer mehr junge Menschen von der IS-Ideologie angezogen fühlen. Das Auswärtige Amt in Berlin warnt auf seiner Internetseite vor möglichen Anschlägen „auf Vergnügungsstätten in Kuala Lumpur.“

Auf der philippinischen Insel Mindanao, Heimat der philippinischen Muslime, hat sich die Terrorgruppe Abu Sajaf mit dem IS verbündet. Ihr IS-Treueeid müsse ernst genommen werden, betonte die Terrorexpertin Sidney Jones auf einer Veranstaltung des Clubs der Auslandskorrespondenten in Thailand (FCCT) über die Präsenz des IS in Südostasien. Abu Sajaf, so die Direktorin des Instituts für Konfliktanalysen in Jakarta, bilde in seinen Lagern auf Inseln in der Sulusee zwischen Malaysia, Indonesien und den Philippinen Kämpfer aus.

Konflikt zwischen buddhistischen und muslimischen Extremisten

Der in Bangkok lebende und für das internationale Militärmagazin „IHS Jane’s“ tätige Analyst Anthony Davis hat den Konflikt zwischen einem sich radikalisierenden Buddhismus und dem Islam als weiteres Einfalltor des IS nach Südostasien ausgemacht. Als ein Beispiel nannte er gewaltsam ausgetragene Hasskampagnen buddhistischer Mönche in Myanmar gegen die muslimische Minderheit der Rohingya. Als ein anderes jenen Mönch in Thailand, der zur Vergeltung von Anschlägen islamischer Separatisten im vornehmlich muslimischen Süden Thailands wiederholt zur Verbrennung von Moscheen in anderen Teilen des Landes aufrief.

Hatten sich die Bali-Bomber noch in indonesischen Islamschulen radikalisiert, werden heute vermehrt auch an den staatlichen Schulen Indonesiens junge Menschen für Terrorgruppen wie den IS rekrutiert. Die Anwerber stammten häufig aus Moscheen in der Nähe der Schulen, so Terrorexpertin Jones. Darüber hinaus habe der IS ein Auge auf die Waffenarsenale der ehemaligen „Bewegung Freies Aceh“ in Indonesiens Provinz Aceh geworfen. Der Anschlag von Jakarta, so steht zu befürchten, könnte somit nur die Ouvertüre des IS zur Errichtung seines „entfernten Kalifats“ in Südostasien sein. (kna/dtj)