Geburtstage feiern oder nicht? Und wenn ja, wo und mit wie vielen Freunden?

Ich werde nicht der Einzige sein, der sich in seiner Kindheit und Jugend alljährlich mit dieser Frage befasste. Fest steht: In muslimischen Kreisen hat der Geburtstag längst keinen so hohen Stellenwert wie in christlichen. Und doch kommt jeder, der in Deutschland aufwächst, regelmäßig mit einem Geburtstag in Berührung. Ob es der Klassenkamerad in der Schule ist oder der Mitspieler aus dem Sportverein.

So war es auch bei mir. Und wenige Wochen vor meinem Geburtstag drängte sich die Frage auf: Werde ich dieses Jahr etwas machen? Soll ich meinen Geburtstag feiern?

Am Ende lief es darauf hinaus, dass ich meine Freunde einlud. Wir grillten, schauten oder spielten Fußball, es gab Nachtisch und türkischen Tee. Es blieb alles im Rahmen, keine laute Musik, kein Exzess.

Aktuell wird auch ein Geburtstag gefeiert, oder sagen wir besser, begangen: Nämlich jener des Propheten Muhammad. Und zwar nicht nur einen Tag lang.

Eine gesamte Woche wird ihm gewidmet. “Kutlu doğum haftası” nennt sich dieser Zeitraum, die Woche der gesegneten Geburt.

Wie sieht das im Islam mit Geburtstagfeiern aus?

Im Gegensatz zum Christentum etwa gelten der Geburts- und Todestag des Propheten im Islam nicht als besonderer Fest- oder Traueranlass.

Der Geburtstag Muhammads, der mit großer Wahrscheinlichkeit am 20. April 571 nach Christus zur Welt kam, wurde erst zu Zeiten des Osmanischen Reiches im 16. Jahrhundert als Großereignis wahrgenommen. Dieser Tag wird alljährlich gemäß dem islamischen Kalender als religiöse Feier in der Moschee begangen. Da sich der islamische Kalender nach dem Mond richtet, verschiebt sich der Termin immer – ähnlich dem Fastenmonat Ramadan.

Die aktuell begangene Woche der gesegneten Geburt hingegen richtet sich ganz nach dem gregorianischen Kalender. Sie geht zurück auf eine Weisung der türkischen Religionsbehörde Diyanet aus dem Jahre 1989. Sieben Tage lang zwischen dem 14. und 20. April eines Jahres finden zu Ehren Muhammads Veranstaltungen auch außerhalb der Moscheen statt, die an den Propheten und sein Wirken erinnern sollen. Es werden Symposien abgehalten, religiöse Lieder gesungen, rote Rosen – das Symbol des Propheten – verteilt. Vielen geht es auch darum, den nachfolgenden Generationen Muhammad näher zu bringen. Die Liebe zum Propheten spielt im islamischen Glauben eine große Rolle.

Völlig unumstritten ist diese Geburtstagspraxis jedoch nicht, gelten von Menschen nachträglich eingeführte “Neuerungen” im Islam streng geommen als verboten, selbst wenn, wie im Falle der Woche der gesegneten Geburt, eine gute Absicht dahinter steckt. In der türkischen Bevölkerung ist diese Praxis allerdings weit verbreitet, in der arabisch-islamischen Welt hingegen so gut wie gar nicht.

Im Grunde genommen würdigen viele Türken den Geburtstag des Propheten also zwei Mal im Jahr: Einmal nach islamischem, einmal nach gregorianischem Kalender.

Ich selbst nehme für mich mit, dass man alles, das man erlebt und auch als selbstverständlich betrachtet, dennoch regelmäßig hinterfragen sollte, um es besser zu verstehen und einzuordnen. Wieso machen wir etwas so, wie wir etwas machen? Welcher Sinn steckt dahinter? Das ist natürlich nicht nur auf die Religion bezogen. Auch die eigene Meinung oder Haltung sollte stets kritisch hinterfragt, mindestens jedoch reflektiert werden.

In Gedenken an den Propheten…