Türkischer Markt in Konya. Die Preise will nun der Staat regulieren und wird zum größten Großhändler.

Die Türkei erlebt seit einigen Jahren turbulente Zeiten in der Wirtschaft. Die türkische Lira hat im Vergleich zu zahlreichen Währungen stark an Wert verloren. Die Folgen spüren in erster Linie die Bevölkerung und die Unternehmen. Seither sind insbesondere die Preise für Lebensmittel, Obst und Gemüse enorm gestiegen. Auch die Preise der Produkte, die in der Türkei hergestellt werden. Jetzt greift die türkische Regierung ein und bringt Obergrenzen und Kontrollmechanismen. Diese Maßnahmen ernten Lob und Kritik zugleich.

Wer noch vor wenigen Jahren auf einem traditionellen türkischen Marktplatz zwischen den Straßen unterwegs war, der wird sich an strahlend-frisches Obst und Gemüse und günstige Preise erinnern. Eines war in der Türkei immer möglich: Günstig an frisches und leckeres Obst und Gemüse aus regionaler Erzeugung zu gelangen. Doch die Zeiten ändern sich. Was zunächst mit den Fleischpreisen geschah, betrifft heute auch einfaches Gemüse wie Zwiebeln, Kartoffeln und weitere Produkte. Horrende Preise, verbitterte Händler und wütende Bürger sind die Folge der Krise.

Mit den schwankenden Zahlen in der türkischen Wirtschaft wurden die Preise für sonst günstige Lebensmittel neu berechnet. Zeitweise kostete ein Kilo Zwiebeln stolze 7 türkische Lira. Selbst im vergangenen Sommer waren die Preise für Lebensmittel enorm hoch. Zeitweise kosteten ein Kilo Tomaten den einfachen Bürger bis zu 10 türkische Lira pro Kilogramm.

Der Staat reguliert die Preise auf dem Markt

Der türkische Staat hat jetzt eine Reihe an Maßnahmen ergriffen. „Ab sofort werden wir die Preise auf den Märkten kontrollieren!“, ließ der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wissen. Die türkische Regierung wirft den Großmärkten und Großhändlern vor, absichtlich Wucherpreise zu setzen. Die Preise werden mit schlechten Witterungsbedingungen und Überschwemmungen begründet, beklagte zuletzt der türkische Finanzminister, Erdogans Schwiegersohn und Unternehmer Berat Albayrak. „Ich habe mir die Lage in Antalya angeschaut. Nur drei Erzeuger sind von diesen Witterungsbedingungen betroffen. Das ist noch lange kein Grund, die Preise so sehr in die Höhe zu treiben!“.

Um diese Missverhältnisse zu regulieren, hat die Regierung in der Türkei den Stadtverwaltungen Genehmigungen erteilt, selbst an die Bevölkerung Obst und Gemüse zu verkaufen. Durch sogenannte Punkte zum geordneten Verkauf (tanzim satış) werden an die Menschen jeweils 3 Kilo pro Produkt verkauft. Die Preise liegen unter dem Wert auf dem Markt. Der Grund für die günstigen Preise: Die Behörden stoßen die Großhändler aus und verkaufen die Produkte direkt vom Hersteller an die Endverbraucher. Kurz gesagt: Der Staat wird selbst zum größten Großhändler. Ein gutes Geschäft für die Regierung, ein schlechtes für die Händler auf dem Markt. Denn diese lukrativen Preise sorgen derweil für große Schlangen an den Verkaufspunkten der Stadtverwaltungen. Die Märkte bleiben zum einen leer und werden zugleich von Beamten der Stadtverwaltung permanent überwacht. Wer die Preise anhebt, riskiert Strafen in Höhe von bis zu 8.000 türkischer Lira.

Bevölkerung gespalten – wer ist für die Preise auf dem Markt verantwortlich?

Der umstrittene türkische Nachrichten-Moderator Irfan Degirmenci hat einen solchen städtischen Verkaufsstand aufgesucht und die wartenden Menschen nach ihrer Meinung gefragt. Dabei kam es zu hitzigen Debatten und sogar zu Handgreiflichkeiten. Dem Journalisten wurde zum Teil vorgeworfen, sie seien verantwortlich für die hohen Preise auf dem Markt. Zudem bedankten sich einige Menschen in der Schlange bei der Regierung für diese Maßnahmen. „Hier bezahlen wir die Preise der Erzeuger und einen minimalen Anteil an Kosten, die zum Vertrieb dazugehören. Die Preise in den Supermärkten sind unfair.“

Andere kritisierten hingegen die Regierung und wurden prompt von anderen in der Schlange angebrüllt. Kritische Stimmen, ob Journalist oder Frauen, wurden von den aufgebrachten Männern kaum geduldet. Später schlug ein älterer Mann dem Journalisten sein Smartphone aus der Hand.