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Der Sufismus ist eine spirituelle Strömung im Islam, die auch als islamische Mystik bezeichnet wird. Der Begriff stammt vermutlich vom arabischen suf für Wolle in Anspielung auf die einfachen Gewänder der Sufis. Oberstes Ziel ihrer Lehre ist das „Einssein mit Gott“ (tauhid).

Der Weg dorthin führt über das Prinzip der vollkommenen Liebe und der Auslöschung des eigenen Egos mittels Askese und spezieller geistiger Übungen. Wichtige Elemente sind die Meditation und der Dhikr („Gedenken“), bei dem sich die Sufis (persisch Derwische) durch das unablässige Wiederholen von Gottesbezeichnungen, teils verbunden mit unentwegter Drehung des Körpes, in religiöse Ekstase versetzen.

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Der Sufismus ist beinahe so alt wie der Islam selbst. Bedeutende Vertreter sind der Perser al-Halladsch, der 922 als Ketzer auf dem Scheiterhaufen starb, sowie die Araber Al-Ghazali (1058-1111), Ibn Arabi (1165-1240) und der mystische Dichter Dschalal ad-Din ar-Rumi (1207-1273). Seit dem 12. Jahrhundert entstanden in der ganzen islamischen Welt auch Sufi-Orden, die sich jeweils auf einen geistlichen Gründer berufen. Bekannte, international verbreitete Bruderschaften sind etwa die Mevleviya, Naqschbandiya oder Qadiriya.

Große Bedeutung hat in den Orden die enge Bindung zwischen den Schülern und ihren spirituellen Meistern (Scheich oder Pir), die ihnen den Weg zur göttlichen Erkenntnis weisen. Die Ordenszentren ähneln zwar in gewisser Weise den abendländischen Klöstern, allerdings gibt es auch erhebliche Unterschiede zum christlichen Mönchtum. So war der Zölibat unter Sufis nie weit verbreitet.

In vielen Ländern hatten Sufi-Orden großen Einfluss auf die Entwicklung des Volksislam. Zur immensen Vielfalt seiner Formen von Marokko bis Indonesien haben sie damit erheblich beigetragen und prägen bis heute das spirituelle Leben von Zigmillionen Muslimen.

Allerdings sieht sich der Sufismus auch heftiger Kritik vonseiten der sunnitischen Orthodoxie und radikaler Kräfte ausgesetzt. Sie werfen den Sufi-Bruderschaften Häresie und Verstöße gegen die religiösen Regeln vor. Denn die sufistische Überzeugung von einer mystischen „inneren“ Bedeutung des Koran führte immer wieder zu Konflikten mit den Normen der Scharia.

KNA/cdt/cas

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