Der Syrienkrieg hat jetzt ein Gesicht

Bereits drei Jahre alt ist dieses Bild, doch in den vergangenen Tagen machte es in den sozialen Medien seine Runde und wurde unter dem Hashtag #Surrended mehrere Tausend Mal geteilt. Es ist das Bild eines vierjährigen syrischen Mädchens, das sich ergibt, als ein Reporter eine Kamera auf sie richtet. Die Todesangst in den Augen dieses Kindes ist nicht zu übersehen, es hält die Kamera für eine Waffe…

Als ich dieses Bild sehe, ringe ich mit meinen Tränen. In was für einer Welt leben wir eigentlich? Sollte ein Kind in dem Alter nicht vor einer Kamera lächeln und niedliche Gästen machen? Stattdessen ist dieses Kind so sehr verängstigt, dass es die Hände sofort in die Höhe streckt. Doch ich frage mich, woher ein Kind in dem Alter eine solche Reaktion kennt. Die Antwort erschreckt mich selbst: Weil es zu seinem Alltag geworden ist.

Während Kinder in dem Alter in anderen Ländern die Welt entdecken, langsam am Stück sprechen, alleine essen, mit neuen Spielzeugen spielen, verbringen Kinder im Syrienkrieg ihren Alltag versteckt an Orten, an denen sie dem Krieg entkommen können. Es ist eine Kindheit an einem fremden Ort, an dem unschuldige Kinder zu Erwachsenen werden, an dem Kinder sich ergeben müssen, an dem Kinder ihre Familien beschützen müssen, an dem Kinder vergessen zu lachen.

Der türkische Fotograf Osman Sağırlı hatte dieses Foto bereits 2012 in einem syrischen Flüchtlingslager in Atmeh aufgenommen. Gegenüber BBC erzählte er, dass die kleine Hudea bei dem Anblick der Kamera sich voller Panik auf die Lippen biss und die Hände in die Luft hielt. Die Palästinenserin Nadia Abushaban postete dieses Foto vergangenen Dienstag auf dem Twitter. Mittlerweile wurde es über 15.000 Tausend Mal retweeted. Es ist ein Foto, das die Herzen im gesamten Internet brach.

Ich wundere mich, warum dieses Bild jetzt erst aufgetaucht ist, doch ich bin dankbar dafür. Der Anblick dieses kleinen Mädchens brach mir das Herz und erinnerte mich daran, was auf der Welt um mich herum passiert, während ich ein friedliches Leben führe. Dass ich mich glücklich schätzen sollte, mir darüber Gedanken zu machen, was ich essen oder anziehen möchte, während kleine Kinder nichts zu essen haben, ihre Eltern verloren haben und fremden Leuten, die ihnen vielleicht helfen wollen, nicht mehr vertrauen können.

Es ist unsere Aufgabe diesen Menschen zu helfen. Stellt euch vor, dieses Kind wäre euer eigenes, wie würdet ihr handeln…?