„Der Zeitpunkt zum Handeln ist jetzt“

Der demografische Wandel hat unsere Gesellschaft fest im Griff und wird dramatische Veränderungen am Arbeitsmarkt bewirken. Laut dem im März 2013 vorgestellten Bericht der Kommission „Die Zukunft der Arbeitswelt“ der Robert Bosch Stiftung werden uns bis zum Jahr 2030 rund 6,5 Millionen Arbeitskräfte fehlen, sofern wir nicht aktiv gegensteuern. Welche Maßnahmen wir heute ergreifen können, um diesem Szenario entgegenzuwirken, war Gegenstand einer hochkarätig besetzten Konferenz des Bundesverbands der Unternehmervereinigungen (BUV) am 27. Juni 2013 in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Verband deutscher Unternehmerinnen sowie mit Unterstützung der Initiative „Jedes Alter zählt“ – die der Demografiestrategie der Bundesregierung eine Stimme verleihen soll.

Unter dem Motto „Die demografische Herausforderung – Strategien und Lösungsansätze zur Sicherung des Fachkräftebedarfs“ hatten sich rund 150 fachkundige und interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eingefunden, um die Herausforderung der Fachkräftesicherung aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu diskutieren. Auf dem Programm standen ein Workshop, politische Grußworte, eine Keynote sowie zwei Diskussionsrunden. Dabei wurde deutlich, dass die zentralen Handlungsoptionen zur Sicherung der Fachkräftebasis im Wesentlichen bereits identifiziert sind. So geht es einerseits darum, Deutschlands inländische Potenziale besser zu mobilisieren. Dies betrifft insbesondere die vermehrte Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie die bessere berufliche Integration von älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie von Menschen mit Migrationserfahrung. Andererseits wird es erforderlich sein, weiter bestehende Engpässe durch qualifizierte Einwanderung zu decken, weshalb Deutschland sich im globalen Wettbewerb um internationale Talente als attraktives Einwanderungsland präsentieren muss.

Die zentrale Herausforderung, dies hat die Veranstaltung deutlich gezeigt, liegt darin, die konkrete Umsetzung dieser Ansätze in pragmatischen Schritten voranzutreiben. Wie etwa gelingt uns die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Wie setzen wir das Konzept des „lebenslangen Lernens“ in die Praxis um? Und wie können Fachkräftelücken, insbesondere in Ausbildungsberufen, nachhaltig geschlossen werden?

Erleichterungen für Einwanderer mit Berufsabschluss

Zu letzterem Punkt konnte Roland Conradt als Vertreter des Bundesministeriums des Innern bereits konkrete Fortschritte vermelden. So gilt seit dem 1. Juli eine Neuregelung, die es Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung von außerhalb der EU erlaubt, eine Stelle in Deutschland anzutreten. Jenseits des akademischen Niveaus war dies bislang praktisch nur für EU-Bürger möglich. Voraussetzung ist eine Qualifikation in festgestellten Mangelberufen, die in einer Positivliste zusammengefasst sind.

Insgesamt hat die Konferenz gezeigt, dass der Zeitpunkt zum Handeln jetzt gekommen ist, wie der Präsident des BUV, Osman Kımıl, in seiner Rede deutlich machte. Es muss nun darum gehen, das Thema Fachkräftesicherung stärker ins kollektive Bewusstsein zu rücken und konkrete Projekte ins Leben zu rufen. Voraussetzung dafür ist die konsequente Vernetzung aller beteiligten Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft wie Zivilgesellschaft auf sämtlichen Ebenen.

Durch proaktives Handeln kann die demografische Herausforderung zur Chance für Deutschland werden. Der BUV plant deshalb, sein Engagement im Bereich Fachkräftesicherung im kommenden Jahr fortzusetzen mit zwei Roundtables und darauf aufbauend zwei weiteren Konferenzen. In Kürze werden außerdem Materialien zur Nachbereitung der aktuellen Konferenz einsehbar sein. So werden etwa ein Bericht, Bildmaterial und Präsentationen für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Alle Dokumente werden auf dem Fachkräfteportal des BUV abrufbar sein unter der zentralen Adresse: www.fachkraefte-forum.de.

Die hohe Beteiligung an der Konferenz hat das Interesse am Thema Fachkräftesicherung und seine Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland deutlich gemacht. Als Bilanz sieht der BUV den Event als einen ersten erfolgreichen Schritt in die richtige Richtung.