In Deutschland arbeitende Migranten haben im vergangenen Jahr nach einem Zeitungsbericht rund 4,2 Milliarde Euro an ihre Familien in den Herkunftsländern überwiesen. Das seien fast 700 Millionen Euro mehr als 2015 gewesen und so viel wie nie seit der Wiedervereinigung, schreibt die «Wirtschaftswoche» unter Berufung auf Daten der Bundesbank. Danach nehmen seit Jahren insbesondere Überweisungen in osteuropäische EU-Mitgliedstaaten stark zu. Die Geldtransfers in das Bürgerkriegsland Syrien sei von 18 auf 67 Millionen Euro gestiegen. Das mit Abstand meiste Geld schickten ausländische Arbeitnehmer nach wie vor in die Türkei. Die Summe liege seit Jahren nahezu konstant bei mehr als 800 Millionen Euro.

Aufruf von AKP Politikern – Zieht eure Gelder von den deutschen Banken zurück

Einer der bekanntesten AKP-Gesichter, das im europäisch-türkischen Untergrund agiert, ist Metin Külünk. Er zählt zu den politischen Weggefährten des türkischen Staatspräsidenten und genießt sein höchstes Vertrauen. Er ist sich, obwohl er bereits seit langen Jahre an der vordersten Front steht, für keine Aufgabe zu schade. Seine Talente liegen in unermüdlichem Kontakt zu der Basis und den einfachen Bürgern. So hat Külünk viele Jahre eine entscheidende Rolle in der Ausbreitung der AKP-Lobbyorganisation, Union Europäisch Türkischer Demokraten (kurz der UETD) in Deutschland und in Europa gespielt. In nur kurzer Zeit hat Külünk die AKP Ideologie durchaus erfolgreich unter die Deutsch-türkische Community gebracht und in diesem Sinne die Menschen stark politisiert. Er trat in türkische Hochzeitssälen, in Teestuben von Moscheen, ja, sogar in Gebetsräumlichkeiten auf und erreichte so viele Menschen, wie möglich. Außerdem bestatte Külünk vielen Deutsch-Türken private Hausbesuche und baute eine große Nähe zu den Menschen auf. Mit den Jugendlichen traf er sich sogar in sogenannten Shisha-Bars. Damit verdiente er sich sogar einen Titel, verliehen durch emotional bearbeitete Deutsch-Türken und wurde als „Der große Bruder Europas“ bezeichnet.

Der selbe Külünk hat nicht damit gespart, die Deutsch-Türken gegen Deutschland aufzuhetzen. Lange bevor der türkische Staatspräsident Erdogan Deutschland und Kanzlerin Angela Merkel mit Nazi-Vergleichen beleidigte, war es Metin Külünk, der durch seine Postings auf Twitter, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Deutschland mit Hitler und den Nazis verglich.

Zudem bezeichnete Külünk Deutschland als einen Feind und deshalb rief er die Türken in Deutschland auf, allesamt sämtliche Gelder auf den deutschen Banken abzuziehen, um Deutschland eine Lektion zu erteilen. De facto blieb eine solche Welle aus, aber die grundsätzliche Idee wurde zum ersten Mal durch Külünk in die Welt gesetzt.

Überweist 1000 Euro auf türkische Banken und trifft den Präsidenten

In der Schweiz sorgte vor einiger Zeit ein etwas merkwürdiger Aufruf für Verwirrung. Als die türkische Lira, verglichen mit Euro und Dollar, in ein Rekordtief versank, startete die sogenannte „World Turkish Business Council“ (DTIK) eine Aktion. Demnach sollten Türken in Europa Tausend Euro in die Türkei überweisen und dieses Geld von Euro in Türkische Lira umwandeln. Ein Beleg von dem abgeschlossenen Geldtransfer sollte reichen, um den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan persönlich zu treffen. Wenn dies aus terminlichen Gründen nicht funktionieren sollte, wurde der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim als Trostpreis in Aussicht gestellt.

Kein Einfluss auf Geldtransfer von Europa in die Türkei

Doch die aktuellen Zahlen bestätigen, dass solche Aufrufe und Kampagnen bei den Deutsch-Türken auf scheinbar wenig Gehör gestoßen sind. Betrachtet man die Zahlen und Werte der Deutsch-Türken, sind die Summen seit Jahren zwar konstant hoch, allerdings auf gleichbleibendem Niveau. Es hat also, trotz dieser Aufrufe, keine sichtbaren Veränderungen gegeben.

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dpa/dtj