Deutsche im Ausland

Trotz Ökohysterie oder „Leitkultur” à la Charlotte Roche: Aus Deutschland möchte man nicht mehr so schnell auswandern und viele zieht es nach Jahren in der Fremde wieder zurück. Das belegen die neuesten verfügbaren Daten des Statistischen Bundesamtes für den Zeitraum Januar bis Mai 2013. Schweizer Städte wie Bern und Zürich hatten in den vergangenen Jahren die Deutschen in Scharen angezogen. Ärzte, Wissenschaftler, Pfleger, Kellner und Busfahrer aus der Bundesrepublik ließen sich auf das Abenteuer Schweiz ein.

Fremde Länder verlieren ihren Reiz

Die Motivationsfaktoren wie Abenteuerlust, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld sind jedoch nicht mehr Teil einer Argumentationskette, die einen Deutschen ins Ausland ziehen würden. Bisher sind Länder wie USA, Österreich oder Schweiz noch sehr beliebte Länder für Deutsche. Doch was einst verlockend klang, scheint für viele an Reiz verloren zu haben. Immer mehr deutsche Auswanderer kehren zurück. Gerade in den deutschsprachigen Nachbarländern hatten nicht wenige Deutsche selbst Erfahrungen mit Ressentiments ihnen gegenüber gemacht, wie sie hierzulande zum täglichen Brot vieler Einwanderer gehören.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank die Differenz zwischen Rückkehrern und Auswanderern von minus 7692 auf minus 7590. Das ist eine klare Entwicklung entgegen der Tendenz der jahrzehntelangen Auswanderung deutscher Fachkräfte ins Ausland. Im Jahr 2008 verließen noch 67 000 mehr Deutsche das Land als zurückkehrten. Bis 2012 schrumpfte das Minus auf 18000 Auswanderer.

Der demografische Wandel macht Arbeitskraft wieder wertvoll

Deutschland hat sich weltweit zu einem einzigartigen wirtschaftlichen Vorbild hochgearbeitet und das wohlgemerkt während der schwierigen Weltwirtschaftskrise der letzten Jahre. Die Wirtschaft ist robust und wächst solide. Hinzu kommt, dass der demografische Wandel auf dem deutschen Arbeitsmarkt sein Übriges tut. Es fehlen Fachkräfte. „Es hat eine Trendwende stattgefunden bei der Zu- und Abwanderung von Deutschen“, sagte Thomas Liebig, Migrationsexperte bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Auch die Zentrale Auslandsvermittlung (ZAV) gibt an, dass sich ein starkes Rückwanderer-Interesse entwickelt hat. Vor drei Jahren beschäftigten sich die Mitarbeiter der ZAV noch zu 80 Prozent damit, Deutsche ins Ausland zu vermitteln. Nun sei es umgekehrt: „Nach 2010 hat sich unser Geschäft komplett verändert“, sagte Monika Varnhagen, Direktorin der Behörde. 2010 vermittelte die ZAV noch über 10 000 Deutsche ins Ausland, 2012 waren es nur noch 5700, und 2013 waren es bisher nur 2000.

Viele Rückkehrer finden zudem in den boomenden Firmen Deutschlands wieder einen gutbezahlten Job. In Bayern gibt es gar Hilfestellungen für Rückkehrer. Die Organisation „Return to Bavaria“ erleichtert die Rückkehr: Man erhält Hilfestellung bei Bürokratie, Wohnungssuche und sogar der Kita-Suche. Der Aufwand und damit die Entscheidung zur Rückkehr nach Deutschland werden deutlich erleichtert.