Deutsche Handelsmarken erobern die Türkei

Die liberale Wirtschaftspolitik der Türkei und die steigende Kaufkraft locken Investoren aus der ganzen Welt ins Land, vor allem Deutsche investieren seit Jahren sehr gerne in der Türkei. Dabei findet man beispielsweise alte Bekannte wie Rossmann, Tchibo und Saturn zu Hauf auch am Bosporus wieder. Deutsche Touristen fühlen sich in den türkischen Einkaufsstraßen auf diese Weise an ihre Heimat erinnert.

„Wir Türken schwärmen für ausländische Produkte, besonders deutsche. Egal ob wir sie brauchen oder nicht“, erklärt eine Istanbuler Rentnerin mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht. Deutsche Produkte sind in der Türkei einfach in. Made in Germany hat im Land traditionell einen guten Ruf. Es steht für Qualität und Vertrauen.

„Deutsche Produkte sind gut“, hören die Menschen von ihren Verwandten oder Bekannten, die in Deutschland lebten oder noch leben. Und sie wollen es ihnen gleichtun. Bekanntlich vertraut man auf einen Geheimtipp, aber auch so behaupten sich die deutschen Qualitätsprodukte im Land. Empfehlungsmarketing wirkt manchmal Wunder. Konzept und Waren sind dabei in beiden Ländern gleich. Der Chef der deutsch-türkischen Handelskammer, Marc Landau, erklärt das Erfolgsrezept mit einfachen Worten: „Was in Deutschland gut läuft, das funktioniert auch meist in der Türkei.“

Deutsche Einzelhandelsketten längst am Bosporus heimisch

Die Türkei hat in den letzten zehn Jahren ihr BIP fast verdreifacht. Die Wirtschaft steht auf festen Beinen. Die Hälfte der Bevölkerung ist unter 30 Jahren. Einbrüche im Wirtschaftssystem sind aus demografischer und wirtschaftlicher Sicht nicht absehbar. Nach vielen Jahren des Schaffens wollen die jungen Leute der Türkei sich nun auch etwas leisten. Sie sind im Gegensatz zu den schwächelnden Märkten in Europa hungrig und extrem neugierig.

Es ist ein Geben und Nehmen. Beide Länder, Deutschland und die Türkei, profitieren gleichermaßen von den neuen Entwicklungen im Land. Die Türken können ihren Konsumhunger endlich befriedigen und Deutschland gewinnt neue lukrative Märkte dazu.

Als erstes kam die riesige Metro- Gruppe in die Türkei. Das war 1990. Ab 2002 brach dann plötzlich ein richtiger Investitionsrun auf die Türkei aus. Mittlerweile expandieren viele deutsche Einzelhandelsketten in die Türkei. Beispielsweise hat Deichmann 80 Filialen im Land, Tchibo 52 und Rossmann 16. Sogar Douglas ist am Bosporus. Insgesamt gab es bis dato laut der deutsch-türkischen Industriehandelskammer mehr als 4.000 Firmengründungen mit deutscher Kapitalbeteiligung.

Das deutsch-türkische Handelsvolumen betrug im Jahr 2012 insgesamt 35 Milliarden Dollar, was einem deutschen Exportanteil am türkischen Markt von 22 Milliarden Dollar entspricht. Das türkische Exportvolumen auf den deutschen Markt betrug demnach 13 Milliarden Dollar. Deutschland ist im Bereich der Importe und Exporte der größte Handelspartner der Türkei.