Plakat des 100. Deutschen Katholikentages in Leipzig

Am heutigen Mittwoch beginnt der 100. Katholikentag in der sächsischen Messestadt Leipzig. Hausherr der fünftägigen Großveranstaltung ist nicht die katholische Kirche, sondern das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), die Organisation der Laienvertretung. Deren Präsident Thomas Sternberg sieht in der rechtspopulistischen AfD nicht nur eine Gefahr für Muslime: „Der Anti-Islam-Kurs der AfD wirft grundsätzliche Fragen für das Verhältnis der Partei zu Religionen auf. Dabei fühlen wir uns als Christen genauso bedroht wie die Muslime”, sagte er bei der Frühjahrsvollversammlung des Laienkomitees in Leipzig.

Im Vorfeld der Veranstaltung führten Sternberg und der stellvertretende Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD) Alexander Gauland ein Streitgespräch, das in einer Sondernummer der ZEIT-Beilage Christ & Welt zum 100. Katholikentag erscheinen wird. Der AfD Politiker kritisierte bei dem Treffen die Entscheidung der katholischen Laienorganisation: „Ausgrenzungen haben uns immer nur stärker gemacht. So einen simplen Fehler hätte ich dem Katholikentag nicht zugetraut.“ Sternberg wiederum verteidigte seine Entscheidung und warf der AfD vor, eine „unchristliche“ Partei zu sein. Das Streitgespräch war die einzige Begegnung hochrangiger Vertreter beider Seiten.

Der diesjährige Katholikentag, an dem auch viele Muslime mit Projekten und Veranstaltungen teilnehmen werden, steht unter dem Motto „Seht, da ist der Mensch“. Am Donnerstag wird unter dem Titel „Islam Kennenlernen“ der Frage nachgegangen, wie der Alltag von Muslimen aussieht. Referentin ist die Muslimin Iman Andrea Reiman aus Berlin. Sie ist die Vorsitzende des Deutschsprachigen Muslimkreises in Berlin.

Auch verschiedene Spitzenpolitiker werden zum Katholikentag erwartet, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert und SPD-Chef Sigmar Gabriel. Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen wird der Katholiken-Veranstaltung keinen Besuch abstatten. Auch Prominente aus anderen Bereichen sind mit von der Partie, etwa Star-Köchin Sarah Wiener und die amtierende Miss Germany, Lena Bröder.

Inhaltliche Schwerpunkte sind die Themen Flüchtlinge, Asyl und Fremdenfeindlichkeit. Kurzfristig hat die Katholikentagsleitung ein Podium ins Programm genommen, das den Titel trägt „Von der seltsamen Rückbesinnung auf das ‚Christliche Abendland‘ – Populismus, Nationalismus, Neue Rechte in Europa“. Die Entscheidung, keine Vertreter der AfD zum Katholikentag einzuladen – im Gegensatz zu Politikern anderer Parteien – ist umstritten. (kna/dtj)