ARCHIV - 11.10.2017, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: ILLUSTRATION - Ein Telefonhörer ist vor einem Plakat der Polizei NRW mit der Aufschrift "Achtung: Hier spricht NICHT die Polizei" zu sehen. Mit der Masche "falscher Polizist" hat ein international agierendes Netzwerk von mehr als 70 Kriminellen nach Ermittlerangaben vor allem Senioren abgezockt. Es seien über einen längeren Zeitraum bundesweit Bargeld und Wertgegenstände in Millionenhöhe erbeutet worden, berichtete die Polizei in Osnabrück. Foto: Martin Gerten/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Deutschen Ermittlungs- und Justizbehörden ist am Mittwoch in enger Zusammenarbeit mit türkischen Sicherheitsbehörden gelungen, die Hintermänner einer großen Betrüger-Bande zu ermitteln und festzunehmen; darunter auch die mutmaßlichen Haupttäter des mehr als 70 Mitglieder starken und international agierenden kriminellen Netzwerkes.

Die Zahl der Festnahmen bei der Zerschlagung des deutsch-türkischen Netzwerks von Betrügern, die sich als Polizisten ausgegeben hatten, ist damit nochmals gestiegen. Der Koblenzer Einsatzleiter Stefan Heinz sprach am Donnerstag von 41 Festnahmen allein in der Türkei. Am Mittwoch war nach zahlreichen Razzien noch von 24 dort festgenommenen Verdächtigen die Rede gewesen − plus vier aktuelle Festnahmen in Nordrhein-Westfalen.

Ausgangspunkt waren Callcenter in Istanbul und Antalya

Die Bandenmitglieder sollen sich vor allem von zwei türkischen Callcentern in Istanbul und Antalya aus telefonisch als Polizisten ausgegeben und vor einer angeblichen Diebesbande gewarnt haben. Geld und Wertsachen würden zur sicheren Aufbewahrung abgeholt – vor allem Senioren fielen darauf rein. Die Bande soll für rund 100 Taten in zehn Bundesländern mit einem Millionenschaden verantwortlich sein.

Vermutet wird laut Polizei-Einsatzleiter Heinz, dass sich die Verdächtigen in Telefonverzeichnissen „einfach altertümliche Vornamen“ ausgesucht hätten, um Senioren zu erreichen. Staatsanwalt Teriet sagte, diese Art von Organisierter Kriminalität funktioniere wie eine Firma mit Arbeitszeiten und -aufteilung.

Das Phänomen „Falsche Polizeibeamte“ beschäftigt die Polizei bereits seit Jahren. Die Zahl der Straftaten hat nicht abgenommen und die Dunkelziffer dürfte recht hoch sein, da sich die Opfer oftmals schämen und Selbstzweifel entwickeln, weil sie einem Betrug aufgesessen sind.

Einsatzleiter lobt deutsch-türkische Zusammenarbeit

Aber der jüngste Einsatz zeige, dass hartnäckige, personalintensive und länderübergreifende Ermittlungen der Polizei schlussendlich zum Erfolg führe und den Betrügern das Handwerk gelegt werde, betonte Einsatzleiter Heinz.

„In der beispielgebenden Zusammenarbeit mit den türkischen Behörden und dem engen, vertrauensvollem Umgang aller Ermittler, ist es uns gelungen, in diesem besonders sozialschädlichen Phänomen heute ein Zeichen zu setzen“, so Heinz weiter. Er unterstrich, dass die Behörden in der Angelegenheit „nicht locker lassen“ werden.

Um nicht Opfer dieser perfiden Betrugsmasche zu werden, weist die Polizei Koblenz erneut auf die Kampagne #mitmirnicht hin und gibt folgende Hinweise:

– Die Polizei ruft Sie niemals unter dem Polizeinotruf 110 an.
– Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen.
– Legen Sie den Hörer auf − so werden Sie Betrüger los.
– Rufen Sie nicht auf den angezeigten Rufnummern zurück. Suchen
Sie selbständig im Telefonbuch die Rufnummer der örtlichen Polizei
oder wählen Sie den Notruf 110.
– Benutzen Sie nicht die Rückruftaste, da Sie sonst wieder bei den
Tätern landen.
– Werden Sie misstrauisch wenn schnellen Entscheidungen,
Kontaktaufnahme mit Fremden oder die Herausgabe von persönlichen
Daten, Bargeld, Schmuck oder Wertgegenständen gefordert werden.
– Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre finanziellen und/oder
persönlichen Verhältnisse.
– Wählen Sie die 110 und teilen Sie den Sachverhalt Ihrer Polizei
mit.
– Sollte ein angeblicher Polizist bei Ihnen an der Haustür
klingeln, lassen Sie sich den Dienstausweis zeigen. Ein echter
Polizist hat Verständnis dafür, dass Sie bei der örtlichen
Polizeidienststelle telefonisch zurückfragen. Suchen Sie die
Rufnummer der Polizeidienststelle bitte selber im Telefonbuch und
vertrauen Sie nicht einer Rufnummer, die Ihnen mündlich (z.B. an der
Haustür) mitgeteilt wird.

dpa/dtj/Polizeipräsidium Koblenz