Deutsch-Türkische Krise

Deutscher Ex-Botschafter Cuntz: Faden der Diplomatie mit Türkei darf nicht abreißen

Der frühere deutsche Botschafter in der Türkei, Eckart Cuntz, hat die Bundesregierung aufgerufen, die diplomatischen Beziehungen mit Ankara nicht abreißen zu lassen. Die deutsche Regierung habe nach wie vor Einfluss auf die Türkei. Der Faden der Diplomatie dürfe nicht verloren gehen, sagte er dem SWR. «Das muss nicht die laute, in öffentlichen Äußerungen geäußerte Empörung alleine sein», sondern es gehe darum, mit der türkischen Seite beharrlich zu reden, auch wenn das den Deutschen nicht gefalle.

Inhaftierte Journalisten dürfen nicht zum Spielball politischer Auseinandersetzungen werden

Cuntz warnte davor, dass die in der Türkei inhaftierten deutschen Journalisten «zum Spielball politischer Auseinandersetzungen werden». In Bezug auf den Prozess gegen die deutsche Journalistin Mesale Tolu sei es zumindest positiv, dass das Verfahren «überhaupt in Gang gekommen» sei. Viele andere säßen seit Monaten ohne Anklage in Haft. Von Seiten der Türkei gebe es auch das «eine oder andere Zeichen der Entspannung».

Bei den Verfahren müsse «darauf gesetzt werden, dass die Türkei ihrem eigenen Anspruch gerecht wird, ein Rechtsstaat zu sein», sagte Cuntz. So könne man zumindest einen Schimmer Hoffnung haben, «dass es zu Urteilen kommt, die dem Rechtsstaatsprinzip entsprechen.» Das sei der einzige Weg. Es werde nicht so laufen, «dass Präsident Erdogan eines Tages sagt, so jetzt sind alle frei».

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dpa/dtj