Deutscher Reisemarkt wird 2013 dank guter Konjunktur stark wachsen

Stuttgart – Der Finanzkrise und Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt zum Trotz werden die Deutschen nach Einschätzung von Volkswirten in diesem Jahr mehr für Reisen ausgeben als 2012. „Steigende Einkommen der Haushalte und gute Gewinne der Unternehmen sollten 2013 für mehr Privat- und Geschäftsreisen sorgen“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer kürzlich anlässlich der Reisemesse CMT in Stuttgart.

Der Reisemarkt dürfte vor allem in der zweiten Jahreshälfte von der spürbaren Erholung der deutschen Konjunktur profitieren. Die Volkswirte erwarten ein Plus der deutschen Ausgaben für Auslandsreisen von 4 Prozent auf mehr als 66 Milliarden Euro. 2012 hatten die Deutschen nach bisherigen Berechnungen 63,8 Milliarden Euro ausgegeben, das waren 3,5 Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr und so viel wie nie zuvor.

Die internationale Tourismuskonjunktur verlor im vergangenen Jahr allerdings wegen des nachlassenden Wachstums der Weltwirtschaft an Fahrt. Nach einem Zuwachs von 5 Prozent im Jahr 2011 stieg die Zahl der Auslandreisen nur noch um 3,5 Prozent, berichten die Volkswirte unter Berufung auf die Welttourismusorganisation. Gleichwohl lag die Zahl der Auslandsreisen 2012 zum ersten Mal bei über einer Milliarde.

Anstieg der Gästezahlen in Deutschland lässt Reiseeinnahmen um mehr als 5 Prozent wachsen

Die privaten Einkommen der Deutschen nähmen etwa wegen spürbar steigender Löhne weiter deutlich zu, schreiben die Experten in einer Reisestudie. „Auch wenn das Wunder am deutschen Arbeitsmarkt derzeit eine Pause einlegt und die Arbeitslosigkeit gegenüber 2012 etwas steigen dürfte, werden die Verbraucher wohl ihren Konsum wieder klar erhöhen.“ Dabei werde preisbewusstes Reisen etwa dank Frühbucherrabatten oder Last-Minute-Angeboten weiter im Trend liegen.

Günstig sehe es auch bei Geschäftsreisen aus. „Die deutschen Unternehmen sind wettbewerbsfähig und nach wie vor wenig verschuldet“, so die Analysten. Bei niedrigen Finanzierungskosten und sich bessernden Absatzaussichten im Ausland dürften die Investitionen bald wieder Fahrt aufnehmen.

Auch die Einnahmen von Reisenden aus dem Ausland in Deutschland könnten steigen. Den Nachbarländern, aus denen das Gros der Touristen kommt, gehe es besser als 2012. In den USA dürfte die moderate Konjunkturerholung anhalten und der Euro gegenüber dem US-Dollar noch ein wenig abwerten, was Deutschland für Reisende von außerhalb des Euroraums attraktiver macht. „Wir erwarten, dass die Reiseeinnahmen aus dem Ausland in diesem Jahr um rund 6 Prozent wachsen“, hieß es. Damit würden sie einen Wert von über 31 Milliarden Euro erreichen. 2012 könnte Deutschland laut der Prognose mit Touristen aus dem Ausland 29,4 Milliarden Euro umgesetzt haben. „Mit dem Anstieg der Gästezahlen wuchsen auch die Reiseeinnahmen um mehr als 5 Prozent“, sagte die Autorin der Studie, Jutta Kayser-Tilosen.

Spanien, Österreich und Italien beliebteste Urlaubsziele der Deutschen im Ausland

Das mit Abstand beliebteste Reiseziel der Deutschen war nach ihren Angaben das eigene Land: Rund 123 Millionen Mal entschieden sich die Bundesbürger für eine Reise innerhalb Deutschlands, das sind 3,7 Prozent öfter als 2011. Die beliebtesten Ziele im Ausland waren Spanien, Österreich und Italien. „Die Deutschen blieben ihren Lieblingen treu“, sagte Kayser-Tilosen. Fast ein Drittel der Ausgaben für Auslandreisen sei in diese drei Länder geflossen.

Überdurchschnittlich legte die Türkei mit einem Plus von zehn Prozent zu und überholte so Frankreich. „Die Türkei war wahrscheinlich mehr als jedes andere Mittelmeerland eine Alternative zu den Unruheherden in Nordafrika und zum krisengeschüttelten Griechenland“, sagte Kayser-Tilosen.

Nachdem sich die Lage in vielen nordafrikanischen Ländern entspannt hat, konnte etwa Tunesien seine kräftigen Verluste ausgleichen. Auch Mittel- und Osteuropa legten kräftig zu. In den Mittleren Osten reisten hingegen weniger Menschen. Die großen Sportereignisse des vergangenen Jahres hatten unterschiedliche Folgen: Während Großbritannien trotz Olympischer Spiele, aber wegen des gestiegenen Pfund-Wechselkurses ungefähr auf Niveau des Vorjahres blieb, verzeichnete Polen vor allem während der Fußball-Europameisterschaft einen anschwellenden Reisestrom. (dpa/dtj)