Deutsche Manager bei der Vorstellung der Marktstudie

Im kürzlich erschienenen „International Corporate Sustainability Barometer“ vergleichen Wissenschaftler des Center for Sustainability Management (CSM) Nachhaltigkeitsmanagement und CSR-Aktivitäten bei über 450 großen Unternehmen in insgesamt elf Ländern.

Eins steht fest: So genannte „Nachhaltigkeitsanforderungen“ nehmen für Unternehmen an Bedeutung zu, da die Furcht vor Folgen befürchteter Klimawandels, Warnungen vor möglicher Ressourcenknappheit und die Forderungen nach besserer Beachtung der Menschenrechte mehr denn je auch die Wirtschaft betreffen. Eine wachsende Anzahl von Unternehmen und Organisationen befasst sich entsprechend mit ökologischen und sozialen Belange, z. B. in Form von Berichten, Produktinnovationen oder der Berücksichtigung von Sozial- oder Umweltstandards.

Deutschlands Bemühungen um vorausschauendes Faktorenmanagement sind ausbaufähig

Doch wie erfolgt die konkrete Umsetzung des Sustainability-Managements und welche Wirkungen gehen von damit zusammenhängenden Maßnahmen aus? Inwiefern findet eine Integration dieser Überlegungen in Form einer Verankerung in Strategie und Kerngeschäft statt und wie unterscheidet sich deren Umsetzung in unterschiedlichen Ländern? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt das „Corporate Sustainability Barometer“, das regelmäßig den Praxisstand und die Entwicklung sozialer und ökologischer Zukunftsfähigkeit unternehmerischer Entscheidungen ermittelt.

Die Studie kam im „Corporate Sustainability Barometer 2013“ bezüglich der Position Deutschlands zu einem überraschenden Fazit, wenn es um die Umsetzung des Stakeholder-Gedankens, also der Rücksichtnahme auf alle möglicherweise von eigenen Entscheidungen betroffene interne und externe Interessensträger, in Unternehmen geht. Deutsche Unternehmen sind über die Breite der untersuchten Bereiche hinweg leider nur Mittelmaß. Mit der Durchführung des Projekts möchte das CSM zur Weiterentwicklung unternehmerischer Verantwortung und zur Stärkung des öffentlichen Bewusstseins über die Bedeutung von Unternehmen für eine nachhaltige Entwicklung beitragen.

Die Wirtschaft hofft dank vieler Studiengänge auf schnelle Besserung

In den letzten Jahren sind in Deutschland viele Lehrstühle und Studiengänge zu den Wirtschaftsgebieten sozialer und ökologischer Verträglichkeit, CSR und Wirtschaftsethik entstanden. Vor allem aus dem mittleren Management rekrutieren sich die Studenten, die den Studiengang überwiegend absolvieren. Etwa 220 Studiengänge nehmen diese Themen bislang auf. Die Leuphana startete 2003 europaweit als erste Universität mit einer Ausbildung im Bereich „Corporate Sustainability“ und bietet heute in Europa das größte Programm in diesem Zusammenhang.

Verantwortungsvolles Wirtschaften beginnt dabei schon bei der Müllentsorgung und endet bei der Einhaltung internationaler Menschenrechtsstandards. Aber auch die Lieferkette ist entscheidend. Es geht schlichtweg darum, „fair“ zu produzieren, denn gesellschaftlicher Druck offenbart in der heutigen Smartphone- und Internet-Gesellschaft schnell, welche Fabrikarbeiter schlecht behandelt werden oder in welchem Subunternehmen Kinderarbeit toleriert wird. Und welcher Vorstandschef möchte sich dann gerne einer empörten Öffentlichkeit stellen?

Bei CSR-Studiengängen lernt man Win-Win-Potenziale zu entwickeln und besonders kosteneffizient zu produzieren. Die ersten Unternehmen haben die Reichweite dieser Studiengänge bereits verstanden und haben sich zur gezielten Förderung ihrer Nachwuchskräfte entschlossen. So senden Tchibo oder auch die HypoVereinsbank beispielsweise ihre CSR-Manager zum Sustainability pauken an die Leuphana. Sie sollen den Wandel im Konsumgüter- und Einzelhandelsunternehmen zu sozial und ökologisch verträglicherem Wirtschaften begleiten.