Das Statistische Bundesamt hat in seiner jüngsten Veröffentlichung die bereits zum Jahresende 2014 andeutungsweise zur Sprache gekommene Annahme mehrerer Wirtschaftsexperten bestätigt, wonach Deutschland gegen Ende des Jahres noch einmal ein beachtliches Wachstumsplus zu verzeichnen hatte.

Demnach ist das Bruttoinlandsprodukt im Schlussquartal 2014 um 0,7 Prozent gewachsen. Dafür habe insbesondere der private Konsum gesorgt, der zum Ende des Jahres hin noch einmal massiv angezogen hatte. Die erhöhte Konsumneigung soll, so schildert es Ferdinand Fichtner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gegenüber dem „Stern“, unter anderem auch auf den massiven Einbruch des Ölpreises zurückzuführen sein, der die Binnennachfrage angekurbelt habe.

Insgesamt sei die deutsche Wirtschaft im Vorjahr um 1,6 Prozent gewachsen und habe sich damit – insbesondere vor dem Hintergrund der angespannten außenpolitischen Lage – als außerordentlich robust erwiesen. Innerhalb Europas erwies sich Deutschland einmal mehr als Wachstumsmotor. Lediglich das Sommerhalbjahr hätte sich als durchwachsene Periode erwiesen, in dem der gesamteuropäische Problemdruck auch Rückkopplungseffekte auf die deutsche Wirtschaft gezeitigt hätte.

Neben dem privaten Konsum seien auch steigende Investitionen der Unternehmen zu verzeichnen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten im Schnitt nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet.

Deutschland hat Ukrainekrise am besten verkraftet

Mit dem Wachstum um 0,7 Prozent im Schlussquartal knüpfte die deutsche Wirtschaft an das positive Ergebnis von Anfang 2014 an, als die Wirtschaft im ersten Quartal sogar um 0,8 Prozent gewachsen war. Im zweiten Quartal kam jedoch das böse Erwachen auf Grund der Ukrainekrise, als auch die deutsche Wirtschaft um 0,1 Prozent schrumpfte, ehe sie im dritten Quartal immerhin zumindest wieder um 0,1 Prozent zulegte.

Frankreich konnte sich beispielsweise nicht über ähnliche Entwicklungen freuen. Hatte man dort bereits im dritten Quartal mit einem mageren Wachstum von 0,3 Prozent zu kämpfen, legte das Bruttoinlandsprodukt im letzten Vierteljahr gar nur noch um 0,1 Prozent zu – und das in einem Land, das unter steigenden Staatsschulden und einer Rekordarbeitslosigkeit leidet. Deutschland, das den Schock der Ukrainekrise offenbar am besten verdaut habe, ziehe mit seinem aus einer starken Binnennachfrage herrührenden Wachstum auch den Rest der Eurozone mit.

Bei Stabilisierung der politischen Lage auch 2015 positive Entwicklung wahrscheinlich

In diesem Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung des DIW die positive Tendenz in etwa halten können, zumindest unter der Prämisse, dass die außenpolitische Lage sich nicht noch weiter zuspitzt. Das Waffenstillstandsabkommen in Minsk, das nun auch durch eine Resolution des UN-Weltsicherheitsrats bekräftigt wurde, erscheint als erster Schritt in die richtige Richtung.

Die Absatzrisiken für die Wirtschaft blieben dennoch beträchtlich, meint DIW-Deutschlandexperte Simon Junker. Neben der Ukrainekrise seien auch die Probleme der Eurozone und die politische Unsicherheit, wie sie etwa hinsichtlich des künftigen politischen Kurses in Griechenland herrscht, Faktoren, die sich belastend auf die Investitionsneigung der Unternehmen und damit auch auf die Wirtschaftsentwicklung auswirken könnten.