Deutschlands Wirtschaft trotzt der europäischen Krise

Während manche EU-Staaten regelrecht im Schuldensumpf versinken, spricht man bei in Deutschland inzwischen vom nächsten großen Ziel: Vollbeschäftigung. Im Juni sank die Arbeitslosenzahl auf 2.865 Millionen und damit auf 6,6 Prozent, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. Doch es könnte noch besser kommen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) prognostiziert für die Bundesrepublik Deutschland für 2014 sogar eine Arbeitslosenquote von nur noch 5 Prozent. Ob aber 5 Prozent Arbeitslosigkeit tatsächlich als Vollbeschäftigung angesehen werden kann, ist reine Ansichtssache.

Darüber hinaus rechnen die Experten für Deutschland mit einem kräftigen Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr. Dann dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 2 Prozent wachsen. Auch bei den Exporten wird ein kräftiger Schub erwartet.

In der ganzen Euphorie vergisst man aber nur allzu leicht, dass bei den positiven Arbeitslosenzahlen die Demografie hierzulande eine wichtige Rolle spielt. Die Zahl der Alten wird immer höher und die der Jungen immer weniger. Viele alte Menschen, besonders die Generation der geburtenstarken Nachkriegsgeneration, werden in den kommenden Jahren zudem in den Ruhestand gehen. Das schafft auf der einen Seite Arbeitsplätze, auf der anderen aber auch Probleme: Immer weniger Beschäftigte müssen für immer mehr Alte Renten zahlen und ihre Gesundheits- und Pflegekosten übernehmen.

Man sollte also nicht allzu optimistisch sein.

Die deutsche Wirtschaft hängt zudem vom Export ab. Wenn insbesondere die PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) ihre Schulden nicht in den Griff bekommen, könnte es auch für uns problematisch werden. Und von Lösung der Probleme kann bei diesen Staaten nicht die Rede sein.

Portugal

Das iberische Land steckt wie sein Nachbar in großen Schwierigkeiten. Zuletzt hatte es hier einen eintägigen Generalstreik gegeben. Das öffentliche Leben stand praktisch still. Der öffentliche Nahverkehr war zum Erliegen gekommen. Auch im Gesundheitswesen, an den Schulen sowie Universitäten gab es massive Beeinträchtigungen. Gerade Staatsbedienstete hatten sich mit hoher Zahl an dem Ausstand beteiligt. In den vergangenen zwei Jahren war es schon der vierte Generalstreik. Das Land steckt in einer tiefen Rezession. Die Regierung geht für dieses Jahr mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 2,3 Prozent aus.

Irland

Irland hängt ebenfalls am Tropf internationaler Kreditgeber. 2010 musste der Inselstaat unter den Euro-Rettungsschirm EFSF flüchten. Das Land musste seine Gläubiger dazu drängen, ihm mehr Zeit für die Rückzahlung seiner Kredite einzuräumen. Einen großen Teil der Hilfsgelder kann das Land jetzt bis 2053 zurückzahlen. Insgesamt wird der angeschlagene Staat mit 67,5 Milliarden Euro aus dem Hilfsfonds gestützt

Italien

Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone. Zwar musste das Land bislang nicht unter den Eurorettungsschirm schlüpfen, dennoch ist die Lage ernst. Das Land hat gigantische Schulden angehäuft. Mit über 2 Billionen Euro muss steht das Land in der Kreide. Das sind 127 Prozent der Wirtschaftsleistung. Alleine die Zinsen betragen ca. 100 Milliarden, jährlich. Auch hier versucht die Regierung, an allen Ecken und Enden zu sparen. Wirtschaftsminister Fabrizio Saccomanni hat in diesem Zusammenhang einen „schmerzhaften Sparkurs“ angekündigt. Das bedeutet vor allem Stellenstreichungen und Kürzungen in fast allen anderen Bereichen, von Gesundheit bis Bildung. Und es ist nicht die erste und vermutlich auch nicht die letzte Sparreform.

Griechenland

Griechenland ist das Sorgenkind Nummer 1 in Europa. Auch hier konnte das Land nur mit internationalen Hilfsgeldern vor einer Staatspleite bewahrt werden. Damit nicht genug: Auch private Gläubiger mussten sich an der Rettung des Landes beteiligen. Sie haben auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichtet. Ein weiterer Schuldenschnitt scheint inzwischen mehr als wahrscheinlich. Das Land hat mehrmals Reformen verabschiedet. Von einem Ankurbeln der Wirtschaft sind die Hellenen trotzdem noch weit entfernt.

Spanien

Nicht nur das marode Bankensystem des Landes bereitet den Europäern große Sorgen, sondern auch die hohe Arbeitslosigkeit – besonders bei jungen Menschen. 37 Prozent der unter 35-Jährigen finden keinen Job. Bei den unter 25-Jährigen liegt die Quote sogar bei rund 56 Prozent. Da sind soziale Unruhen praktisch vorprogrammiert. Auch hier hat das Land Kürzungen vorgenommen. Die Regierung hat außerdem erneut Steuererhöhungen angekündigt. Pünktlich zum Beginn der Urlaubszeit sollen Tabak und die meisten alkoholischen Getränke um 10 Prozent teurer werden, kündigt Finanzminister Cristobal Montoro mit. Wenn das Land seine wirtschaftlichen Probleme nicht in den Griff bekommt, drohte die Ratingagentur Standard&Poor`s mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramsch-Niveau.

Mit ihrer Wirtschaft befindet sich die Bundesrepublik auf dem richtigen Weg. Aber alleine wird sie die massiven Probleme in Europa nicht stemmen können. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat deswegen in ihrer Regierungserklärung vergangene Woche eine engere Verzahnung der europäischen Wirtschaftspolitik ins Spiel gebracht. Das aber könnte sich als schwierig herausstellen. Viele Staaten werfen Brüssel vor, sich zu sehr in die nationalen Angelegenheiten einzumischen. Zu unterschiedlich sind die Auffassungen in Europa darüber, was die Wirtschaft angeht. Dennoch scheint unter den Europäischen Staats- und Regierungschefs Einigkeit zumindest dahingehend zu bestehen, dass man nur gemeinsam die Probleme lösen könne. Den ersten Schritt hat man schon gemacht: Die 27 Staats- und Regierungschefs vereinbarten, in den kommenden 2 Jahren 6 Milliarden Euro zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit auszugeben.