Das Grab des ermordete Geschäftsmanns Özdemir Sabancı.

Im Zuge einer Anti-Terror-Operation am Montag in Griechenland wurden vier türkische Staatsangehörige verhaftet, darunter der Führer der verbotenen terroristischen Revolutionären Volksbefreiungspartei/Front (DHKP-C) und ein Linksextremist, der unter Mordverdacht steht. Dies berichteten griechische Medien.

Die griechische Polizei hat offiziell noch keine Namen der 25, 33, 41 und 49 Jahre alten Verdächtigen veröffentlicht, lokale Medien berichteten jedoch, unter den Verhafteten befinde sich auch Hüseyin Fevzi Tekin, der im Vorjahr zum Führer der extremistischen Organisationen ernannt wurde. Nachdem der langjährige Chef des bewaffneten Arms der Gruppe, Dursun Karataş, 2008 starb, war diese lange führungslos, bis im Vorjahr Medienberichten zufolge der 49-jährige Tekin die Amtsgeschäfte übernahm.

Der Internetauftritt der griechischen Tageszeitung To Vima meldete zudem, dass es sich beim nicht genannten 41-jährigen Festgenommenen um Ismail Akkol handeln soll, der in die Ermordung des türkischen Geschäftsmanns Özdemir Sabancı im Jahre 1996 involviert sein soll. Der von türkischen Behörden seither wegen Mordverdachts gesuchte Akkol soll seit 2007 in Griechenland gelebt haben.

Die Razzia gegen die Linksextremen in der Gizi-Siedlung an der Peripherie Athens wurde durch einen anonymen Hinweis ausgelöst. Dabei wurden mehrere Waffen sichergestellt, darunter ein Kalaschnikow-Sturmgewehr, eine Uzi-Maschinenpistole und diverse Sprengkörper.

Panzerfäuste und gefälschte Ausweise

Der Asylbescheid des 33-jährigen Verdächtigen und die Aufenthaltsbewilligung des 41-Jährigen entpuppten sich den Medien zufolge als Fälschungen. Tekin, der bei seiner Festnahme eines gefälschten bulgarischen Pass bei sich trug, war mutmaßlich auch in einen Zwischenfall verwickelt, im Zuge dessen im Oktober 2011 ein Mitglied der DHKP/C starb, als es gerade eine Bombe in seinem Haus in Saloniki bastelte.

Tekins Fingerabdrücke sollen sich zudem auf einer Panzerfaust befinden, die im letzten Jahr auf der Insel Chios beschlagnahmt worden war. Nun ermittelt die griechische Polizei auch mit Blick auf Darstellungen, Waffenlieferungen für die DHKP-C wären über Kreta erfolgt. Im Juli 2013 hatten griechische Offizielle ein mit Munition bestücktes Schlauchboot vor der Küste der zur Provinz Izmir gehörenden Halbinsel Çeşme entdeckt und in diesem Zusammenhang zwei griechische und zwei türkische Staatsangehörige verhaftet.

Ursprünglich in den späten 70er-Jahren als „Dev Sol“ („Revolutionäre Linke“) gegründet, wurde die marxistisch-leninistische DHKP/C von der Türkei, den USA und der Europäischen Union als terroristische Organisation eingestuft. Sie wird für eine Reihe von Morden und Bombenanschlägen un der Türkei verantwortlich gemacht, darunter eine Selbstmordattacke auf die US-Botschaft in Ankara im letzten Januar. Die Linksextremen nutzten Griechenland gerne als ruhiges Hinterland, wenn der Verfolgungsdruck in der Türkei größer wurde.