Die Alternative zur Mitfahrgelegenheit: „Muslim-Taxi“

Rund vier Millionen Muslime leben in Deutschland. Und so langsam wird auch die deutsche Wirtschaftswelt auf sie aufmerksam. Während neue Forschungen darlegen, dass sich die Kaufkraft dieser Gruppe erhöht hat, entwickeln deutsche Unternehmen spezifische Projekte, um das Potenzial dieses neuen Marktes besser auszuschöpfen.

Der in Hamburg lebende Unternehmer Iraker Selim Reid (25) verkauft über eine eigene Website Waren an Muslime, darunter Nahrungsmittel, Kleidung und religiöse Bücher. Reid hat etwa 5000 registrierte Kunden und verkauft täglich 60-70 Produkte.

Ethnischer und religiöser Markt wächst

Reid studiert Luftfahrttechnik an der Universität und entwickelte neben seiner Online–Verkaufsplattform ein weiteres Projekt, das er „Muslim-Taxi“ genannt hat. Es orientiert sich nach dem in Deutschland als „Mitfahrzentrale“ bzw. „Mitfahrgelegenheit“ bekannten System. Reid hat das System für muslimische Passagiere „angepasst“. Im „Muslim-Taxi“ reisen Männer und Frauen getrennt. Das Interesse sei enorm.

Wirtschaftsexperten zufolge wächst der ethnische und religiöse Markt von Tag zu Tag. Nach Forschungen des in Frankfurt ansässigen Instituts „Institute for Islamic Banking and Finance (IFIBAF)“ besitzt diese Gruppe, die zum Großteil aus Türken bzw. Türkeistämmigen besteht, eine Kaufkraft in Höhe von rund 20 Milliarden Euro.

Zaid El-Maogaddedi, Präsident des IFIBAF, geht davon aus, dass insbesondere die dritte Generation der Türken in Deutschland investiert. Die 1. und 2. Generation war noch darauf aus, das Ersparte Geld in der Türkei anzulegen, um sich die Tür für eine mögliche Rückkehr offen zu halten.