Die CIA und ihre dunklen Machenschaften im Iran

Ägypten 2012. Das ägyptische Volk entscheidet sich zum ersten Mal in seiner Geschichte in freien demokratischen Wahlen für einen zivilen Präsidenten. Der Kandidat der Partei der Muslimbrüder, Mohammed Mursi, geht daraus als Sieger hervor. 2013, ein Jahr später, wird er vom Militär weggeputscht. Aus unerklärlichen Gründen verhält man sich in westlich-demokratischen Ländern außerordentlich zurückhaltend. Die Kommentare hiesiger Leitmedien lassen verlauten, der Militärchef werde die Demokratie installieren.

Indessen kommt es ganz anders. Der ägyptische Putschist erklärte Demonstranten, die gegen den Putsch protestieren und sich gewaltfrei in Protestcamps verschanzen, kurzerhand zu Terroristen. Die einstigen mit dem Arabischen Frühling verbundenen Hoffnungen der Ägypter, selbstbestimmt in Freiheit und Demokratie leben zu können, scheinen bis auf Weiteres zerstoben zu sein. Indes erreichen uns täglich immer mehr schockierende Bilder toter Ägypter. Tausende an der Zahl. Tendenz steigend.

Bei Kriegen, Bürgerkriegen oder Militärputschen steht immer die Frage im Raum, wem diese nützen. Geht es um die Installierung von Menschenrechten und Demokratie? So zumindest ist die Leseart der Medien in demokratischen Ländern, zumindest dann, wenn die westlichen Länder vom Ergebnis des Umsturzes profitieren. Der Friedens- und Energieforscher Daniel Ganser hingegen kommt zu einem erschreckenden anderen Ergebnis. In seinem zuletzt erschienen Buch „Europa im Erdölrausch. Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit“ führt er die Ursache vieler Kriege und gewalttätiger Auseinandersetzungen auf die Energieressourcen (Erdöl) zurück. Zur Legitimierung vieler Kriege müssten demnach Menschenrechte und Demokratie herhalten.

Schon mit seiner Doktorarbeit hatte Daniel Ganser, Gründer und Direktor des Schweizer Forschungsinstituts für Friedens und Energie (SIPER) die Aufmerksamkeit der Medien sicher. Darin beschrieb er die Geheimstrukturen der NATO, die er später unter dem Namen „NATO-Geheimarmeen in Europa“ veröffentlichte. Inzwischen wurde seine Dissertation in zehn Sprachen übersetzt. In seinem neuen Buch behandelt er das aktuelle und brisante Thema rund um den weltweiten Energiekrieg. Ganser sieht die eigentliche Ursache vieler Kriege wie u.a. auch der beiden Weltkriege und der Golfkriege jeweils im Erdöl liegen. Seitdem würden Ressourcenkriege unter dem Deckmantel der Demokratie und Menschenrechte geführt, um sie bei der eigenen Bevölkerung zu legitimieren. Wer das offen ausspreche, müsse, wie der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, abdanken, so Ganser.

Krieg um Energiequellen

Ganser zufolge würden in naher Zukunft sogar noch heftigere Kriege um Energiequellen geführt werden. Zu diesem Zwecke erlebe sogar die NATO eine fundamentale Neuausrichtung hin zur Energiesicherheit. Ganser geht in seiner Arbeit davon aus, dass seit 2005 das Maximum der Erdölproduktion (Peak Oil) erreicht sei und seither die Erdölproduktion abnehme, nicht aber die Nachfrage. Amerika, Asien und Europa würden deshalb in diesem Kampf um Erdöl zu erbitterten Rivalen werden, sobald das sich industrialisierende China noch mehr Erdölbedarf ankündigt. Denn die Ökonomie der Industrieländer sei vom Erdöl abhängig. Laut Ganser sei daher auch die Kontrolle über die seiner Einschätzung nach weniger werdenden Erdölquellen von unheimlich großer Bedeutung. Dieser Konflikt werde sich bis 2015 zuspitzen, wenn der globale Peak Oil endgültig erreicht sein wird.

Nun ist die Theorie vom Peak Oil zwar zum einen aufgrund neuer Ölfunde der letzten Jahre, zum anderen auf Grund neuer, revolutionärer Fördermethoden wie Fracking, horizontales Bohren oder seismische Exploration stark ins Wanken geraten und die USA stehen insbesondere durch Fracking und Erschließung eigener Energiequellen vor der Unabhängigkeit von ausländischem Öl. Dass Öl dennoch ein Zankapfel bleiben wird, erscheint jedoch unabhängig davon nach wie vor denkbar.

Ganser zeichnet demnach auch zwei Parteien in Sachen Erdöl auf. Zum einen die klassischen Erdöl exportierenden Länder, die sich in der OPEC zusammengefunden haben und zum anderen die sieben weltweit agierenden Erdölkonzerne, die so genannten „Sieben Brüder bzw. Schwestern“. Diese Erdölkonzerne versuchen in der Regel, das Erdöl günstig zu erwerben. Ganser behauptet nun, sie würden dafür sogar vor Kriegen nicht zurückschrecken. Da die meisten dieser Konzerne amerikanischen Ursprungs sind, haben sie ihrem Land mit der Erdölwaffe zur Supermacht verholfen, heißt es in „Europa im Erdölrausch“ – dass die Konzernetagen längst multinational besetzt sind, solle demnach an ihrer „patriotischen“ Orientierung am Wohl der USA ändern.

Ganser bewertet nun auch die jüngere Vergangenheit Irans unter der Prämisse des Erdölkriegs. 1951 wurde der 1949 als Spitzenkandidat der Nationalen Front mit 8 Abgeordneten ins Parlament gewählte Mohammed Mossadegh vom Schah zum Premierminister ernannt. Mit seinem Versprechen, die Einrichtungen der Erdölkonzerne im Iran, die bis dahin unter der Kontrolle britischer Eigentümer standen, zu verstaatlichen, brachte er eine breite Mehrheit im Parlament hinter sich.

Hatte Khomeini gute Beziehungen zu den USA?

Mit seiner Verstaatlichungspolitik und seinen autoritär-sozialistischen Tendenzen erzürnte Mossadegh die Briten und Amerikaner, die zwei Jahre später – wie es mittlerweile auch offiziell ist – seinen Umsturz durch die CIA mit der „Operation Ajax“ initiierten. Laut Medienberichten hat die CIA kürzlich zugegeben, vor 60 Jahren den Umsturz des ersten zivilen Präsidenten Irans geplant und durchgeführt zu haben.

Der nach dem Putsch härter gegen die Opposition vorgehende Schah Mohammad Reza Pahlavi privatisierte alsbald die verstaatlichten Konzerne wieder und erstattete den Erdölkonzernen ihr Eigentum wieder zurück. 1978 veranlasste Pahlavi jedoch auf der OPEC-Sitzung einmal mehr einen drastischen Preisanstieg für Erdöl. Der lange Zeit als westlicher Statthalter in Iran geltende Monarch fiel damit in Ungnade und wurde 1979 vom bis dahin im Ausland lebenden Ajatollah Khomeini gestürzt. Entgegen landläufiger Meinungen soll Khomeini trotz seiner antiamerikanischen Rhetorik stets eine gute, intensive und direkte Beziehung zu den USA gepflegt haben.

„Europa im Erdölrausch. Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit“ behandelt ein hochbrisantes Thema verständlich, mit akademischer Präzision und – zumindest bemüht der Autor sich redlich, diesen Eindruck abzuschütteln – fernab jeglicher Verschwörungstheorie. Aus aktuellem Anlass erscheint dieses Werk als sehr empfehlens- und lesenswert und ist ein Muss für alle, die einen ganzheitlichen Blick auf die Hintergründe der Kriege in Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen, etc. werfen wollen. Gegen Ende seines Buches mahnt Daniel Ganser, nach Alternativen zu suchen, da die Erdölproduktion bei steigender Nachfrage gefährlich knapp werde. Auch wenn diese Einschätzung mittlerweile aus weiter oben genannten Gründen relativiert werden kann, ändert dies nichts an der grundsätzlichen Lektüreempfehlung.

Daniele Ganser, Europa im Erdölrausch. Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit. Orell Füssli Verlag, Zürich 2012, 416 Seiten.