Trotz Ramadan fastet Fußball-Nationalspieler Mesut Özil nicht während der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. „Das Wetter ist im Sommer zu warm. Wir haben intensive Trainingseinheiten und Spiele. Da ist es für mich unmöglich zu fasten“, sagte der gläubige Muslim dem Kölner „Express“ (Mittwoch). Der am 6. Juni beginnende Fastenmonat sei „gar nicht“ mit dem am 10. Juni beginnenden Turnier vereinbar.

Für Muslime ist das Fasten, das jeweils im neunten Monat des islamischen Mondjahres stattfindet, eine der fünf Säulen ihrer Religion: Die anderen sind das Pilgern nach Mekka, die täglichen Gebetszeiten, das Glaubensbekenntnis zu Allah als einzigem Gott und das Almosengeben.

Muslime sollen im Ramadan von der Morgen- bis zur Abenddämmerung unter anderem auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex verzichten. Ausgeschlossen von der Fastenpflicht sind Reisende, Schwangere, stillende Mütter, Kinder, Kranke und Alte.

Laut einem islamischen Rechtsgutachten (Fatwa) der Kairoer Al-Azhar-Universität von 2010 dürfen muslimische Profifußballer das Fasten im Ramadan unterbrechen und sollen es nach Möglichkeit zu einem anderen Zeitpunkt nachholen. Dieses Gutachten war nach Gesprächen zwischen dem Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) in Auftrag gegeben worden. Die Al-Azhar-Universität ist eine der wichtigsten Lehrstätten im sunnitischen Islam. Ihre Rechtsgutachten sind deshalb weithin anerkannt.

Özil war vor kurzem nach Mekka gepilgert und hatte in den sozialen Netzwerken ein Foto veröffentlicht, das ihn in traditioneller Kleidung vor der Kaaba zeigt, dem quadratischen Gebäude im Innenhof der Heiligen Moschee. Der Fußballer hatte das Bild lediglich mit Hashtags kommentiert: #Mecca #HolyCity #SaudiArabia #Islam #Pray. Auf den Facebook-Post haben innerhalb weniger Tage mehrere Millionen Nutzer reagiert – unter anderem die sächsische AfD-Politikerin Andrea Kersten, die darin ein „antipatriotisches Signal“ sieht.

Dennoch war der absolut überwiegende Teil des Feebacks erfreulich. „Die vielen positiven Reaktionen auf das Bild von Mesut Özil sprechen für sich“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel, der „Sport-Bild“ (Mittwoch). Millionen Menschen „lieben unsere Mannschaft, weil sie so ist, wie sie ist. Mesut Özil ist Teil dieser Mannschaft, in der es keine Rolle spielt, wo jemand seine Wurzeln hat, welche Religion er ausübt, ob er Muslim oder Christ ist.“ Es gehe um gegenseitigen Respekt. Dabei sei die Nationalmannschaft „ein wunderbares Beispiel für diesen vorurteilsfreien Umgang miteinander“. (kna/ dtj)