Es gibt zahlreiche nicht fastende Muslime weltweit. Die Gründe sind unterschiedlich.
Es gibt zahlreiche nicht fastende Muslime weltweit. Die Gründe sind unterschiedlich.

Die Fastenzeit der Muslime neigt sich ihrem Ende entgegen. Am heutigen Donnerstag fasten die Muslime in diesem Ramadan zum letzten Mal. Freitag ist dann „das zweifache Fest“. Einerseits ist Freitag, der heilige Wochentag der Muslime, und andererseits ist eben Bayram, der Höhepunkt des Ramadan, das Ramadan-Fest. Das Fest wird im Volksmund auch Zuckerfest genannt, weil es neben Taschengeld und Geschenken auch viel Süßes gerade für die Kinder gibt.

Die Fastenzeit war nicht nur bei uns im DTJ ein größeres Thema, sondern fand auch in den deutschen Medien ihren Platz. Der Bayerische Rundfunk (BR) setzte einen Themenschwerpunkt zum Ramadan. Das ZDF bereitete ein kurzes Infovideo vor, in dem Eckpunkte des Fastenmonats erklärt und erläutert werden.

Man kann nicht von DEN Muslimen sprechen

In Deutschland leben schätzungsweise über vier Millionen Muslime aus fast allen Ländern der islamischen Welt. Hinzu kommt bei vielen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, die deutsche Sozialisation hinzu, welche die Religiosität mitprägt. Das sind nur zwei Gründe, die zeigen, warum es nicht möglich ist, von „den Muslimen“ zu sprechen. Zudem ist der Eindruck, alle Muslime seien tiefreligiös und würden sich an alle Pflichten des Islam halten, falsch. Eine genaue Zahl, wie viele Muslime gefastet haben und wie viele nicht, gibt es natürlich nicht. Auch weiß man über die Beweggründe zu fasten oder nicht zu fasten sehr wenig.

Was sich aber definitiv sagen lässt: Es gibt auch Muslime, die in den vergangenen vier Wochen nicht gefastet haben – aus welchem Grund auch immer.

„Ich möchte den Islam auch meinen Kindern weitergeben“

Die Erzieherin Fatma Yılmaz (Name von der Redaktion geändert) ist eine von ihnen. Die 20-jährige Berlinerin sieht sich selbst als bekennende Muslimin: „Auch wenn ich meiner Religion nicht vollständig nachgehen kann, spielt sie eine wichtige Rolle für mich. Ich wurde von meinen Großeltern und Eltern über den Islam aufgeklärt und möchte ihn auch meinen Kindern und Enkelkindern so gut wie möglich weitergeben“, sagt die junge Frau.

Den Wunsch, irgendwann mal den ganzen Monat über zu fasten, trägt sie immer noch in sich. In ihrem Umfeld und auch in der Familie gebe es sowohl welche die fasten, als auch welche, die nicht fasten. Das sei kein Streitthema und keiner spreche sie auch darauf an, warum sie nicht faste: „Bis jetzt habe ich mir nichts Negatives anhören müssen von denen, die fasten. Ich denke, dass es auch keinen Grund dafür gibt, denn es ist jedem selbst überlassen, ob man fasten möchte oder nicht.“ Schließlich nehme auch sie Rücksicht auf die Fastenden: „Es ist mir bewusst, dass sie eine schwierige Zeit durchmachen und ich deshalb darauf achten muss, wie ich mich zu verhalten habe. Das heißt, ich versuche in ihrer Anwesenheit nicht zu essen und zu trinken, weil es mir unangenehm ist und ich es respektlos finde.“ Gegenseitiger Respekt, heißt die Devise.

Yılmaz spricht auch über positive Erinnerungen an die Fastenzeit aus ihrer Kindheit. Diese Erinnerungen seien ein Teil ihrer Identität, auf den sie nicht verzichten wolle. Doch das Fasten an langen und heißen Sommertagen falle ihr einfach zu schwer und sie wolle sich dieser körperlichen Last nicht aussetzen: „Ich habe es in meiner Schulzeit probiert und schon damals fiel es mir schwer, denn die Konzentration lässt nach und man ist nicht vollständig anwesend. Mittlerweile arbeite ich mit Kindern und brauche reichlich Energie und Ausdauer dafür. Aus diesem Grund fällt es mir schwer zu fasten.“

Muslime gehen nicht immer allen religiösen Pflichten nach. Einer Pflicht nicht nachzugehen, bedeutet nicht, dass man kein Muslim mehr ist. Was aber nicht sein darf, ist, dass man andere für ihr Verhalten verurteilt. Ebenfalls gefährlich ist es, als Muslim, der nicht allen Pflichten nachgeht, anderen Muslimen einzureden, sie würden die Religion zu ernst nehmen oder sie falsch auslegen. Es bleibt jedem selbst überlassen, wie er mit dem Glauben umgeht.