Migration ist per se ein bedeutendes Thema für die USA, schließlich sind sie nur durch sie entstanden. Die Freiheitsstatue – ein machtvolles Symbol für Migranten – wird gern als Argument genutzt, Hilfsbedürftigen die Hand zu reichen.

Donald Trump, der verspricht, bei seinem Sieg alle Flüchtlinge zurückzuschicken, und seine Unterstützer, die sich daran erfreuen, könnten sich über den folgenden Fakt wundern. Das Vorbild für die Freiheitsstatue, das stolze Symbol der Amerikaner, war eigentlich eine muslimische Frau!

Inspiration aus Ägypten

Wie die US-amerikanische Webseite „The Daily Beast“ berichtet, sollte die Freiheitsstatue ursprünglich eine ägyptische Bäuerin darstellen. Für einige mag diese Information überraschend sein, da sie mit den französischen Wurzeln der Statue vertrauter sind als mit ihren arabischen. Sie wurde von Frédéric-August Bartholdi in Zusammenarbeit mit Alexandre-Gustave Eiffel, dem Architekten des Eiffelturms, entworfen und war als Geschenk Frankreichs an die Vereinigten Staaten ein Symbol für die hundertjährige Allianz beider Länder während der Französischen Revolution.

Die Inspiration holte sich Bartholdi allerdings in Ägypten. 1855 besuchte er die nubischen Denkmäler in Abu Simbel. Der Architekt war fasziniert von der antiken Architektur und den Grabmälern, die von gigantischen Kolossen bewacht wurden. Schließlich nutzte er diese Leidenschaft als Vorschlag für die Umsetzung am Suezkanal. Bartholdi stellte sich ein kolossales Monument vor, dass eine in Roben gehüllte muslimische Frau darstellt, die Ägypten am Port Said repräsentieren sollte. Laut dem Autoren Barry Moreno, der sich in zahlreichen Werken mit der Freiheitsstatue auseinandersetzte, sollte „die verschleierte Bäuerin“ 86 und ihr Sockel 48 Fuß hoch sein. Ursprüngliche Modelle der Statue nannte man „Ägypterin trägt das Licht nach Asien“.

Statue wird umfunktioniert

Edward Berenson, Autor von Statue of Liberty: A Transatlantic Story, schreibt, dass Bartholdis Konzept von „einer riesigen Felachin (arabisch für Bäuerin)“ in „eine kolossale Gottheit“ verwandelt wurde.

Ägypten, das viel Zeit und Kosten in das Kanalprojekt investierte, konnte sich nicht für Bartholdis Idee begeistern. Ismail Pascha, der regierende Khedive (osmanischer Gouverneur Ägyptens, türk. hıdiv) zu dieser Zeit, lehnte den Plan aufgrund der hohen Kosten ab. Schließlich wurde ein 180-Fuß-hohes Lichthaus am Port Said aufgebaut. Bartholdi ließ sich nicht entmutigen. Er funktionierte sein Konzept in „Die Freiheit erleuchtet die Welt“ um, dem offiziellen Namen der Freiheitsstatue am New Yorker Hafen seit 1886.

Statue of Liberty