Deutsch-Türkische Freundschaft

Die Genese einer engen Freundschaft

Wenn wir die enge Freundschaft zwischen Deutschland und Türkei reflektieren, kommt uns in erster Linie das Anwerbeabkommen zwischen den beiden Ländern in die Sinne. Doch die Beziehung ist älter als die Gründung dieser beiden Republiken.

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Das Osmanische Reich war im 19. Jahrhundert so verwundet und geschwächt, dass es von den umliegenden Großmächten nur „der kranke Mann am Bosporus“ genannt wurde. Die heranwachsenden Großmächte behielten den ehemaligen großen und starken Feind im Visier, indem sie in einem Länderraub, wie er typisch für den seit Jahrzehnten dauernden Imperialismus war, immer mehr Stückchen aus dem „osmanischen Kuchen“ für sich herausschnitten und das Reich in den wirtschaftlichen Ruin trieben (siehe „Administration de la Dette Publique Ottomane“).

Sultan Abdulhamid II. war diplomatisch einer der begabtesten Sultane des Reiches. Er errang durch seine pan-islamische Ideologie die Sympathie der Muslime in aller Welt, was besonders die Briten beunruhigte, da in deren indischer Kronkolonie mehr Muslime lebten als im Osmanischen Reich. Bei Handlungen gegen das Osmanische Reich oder die übrigen Muslime in der Welt benachrichtigte der Sultan seine Botschafter im Westen, die unweigerlich zu einem allgemeinen Aufstand der Muslime aufriefen und dem Kalifen ihre Unterstützung anboten. Dies war einer der Waffen Abdulhamids, sozusagen eine ideologische Waffe.

Auf diese Waffen setzten auch die Deutschen, die bis dahin keinen Platz an der „Sonne“ fanden. Sie pflegten sehr gute Beziehungen zum Osmanischen Reich. So einst der Deutsche Kaiser Wilhelm II. zu sagen pflegte: „Solange er in deutscher Kontrolle bleibt, wird er nur die britische Welt beunruhigen“. Somit hatte Abdulhamid das geschafft, was seine Vorgänger nie hätten machen können: Eine enge Zusammenarbeit mit der Großmacht, die dieselbe Feindschaft gegenüber den westlichen Großmächten empfand. So konnte Abdulhamid II. um die Entsendung deutscher Militärberater ins Reich bitten (1882), denen die Osmanen den Sieg gegen die Griechen verdankten. 1888 erfolgte der Weiterbau der Bagdadbahn unter deutscher Führung und auf deutsche Kosten, 1905 konnten sie die Inbesitznahme Marokkos durch Frankreich hindern und der Kaiser bat den Marokkanern um die Allianz mit dem Sultan und Bündnis mit allen arabischen & maurischen Herrschern. Abdulhamid II. hatte wieder geschafft den deutschen Kaiser für sich zu gewinnen und eine Allianz mit dem Islam bilden, um die Briten mit der „islamischen Keule“ zu bedrohen.

Wilhelm II. und Abdulhamid II. einigten sich auf eine Jerusalemreise und gewannen somit die Begeisterung aller Muslime. Wilhelm II. sprach deshalb auch folglich in Damaskus 1898:

„Möge Seine Majestät der Sultan und mögen die 300 Millionen Mohammedaner, die auf der Erde zerstreut leben, in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird.“

Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges schienen sich die Jungtürken die Chance aufzutun, verlorenes Terrain in Europa zurückzuerobern und mit den restlichen Turkstämmen Zentralasiens ein Bund (Turan) zu gründen. Somit erschlossen sie sich, von Enver Pascha ermutigt und auch durch außenpolitische Gründe erzwungen, an der Seite der Mittelmächte (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Bulgarien) zu kämpfen. Doch als 1918 die Deutschen kapitulierten, endete der Krieg für das Osmanische Reich ebenso desaströs. Beide Reiche teilten das gleiche Schicksal. Das ehemalige Deutsche Reich endete in einer verhassten und unvorbereiteten Republikgründung. Das Osmanische Reich hingegen ging endgültig unter. Weite Teile des Reiches wurde von den Allliierten besetzt. Erst durch den Befreiungskrieg unter der Führung Mustafa Kemal Paschas gegen die Besatzungsmächte von 1919 bis 1923, rief Mustafa Kemal Pascha am 29. Oktober 1923 die Republik Türkei aus. Ab diesem Zeitpunkt begann für die Türkei eine neue Ära. (Foto: dpa)