Am Dienstag gedachten die Muslime der Himmelfahrt Muhammads: Dem Koran und den Hadithen zufolge reiste Muhammad in einer sehr kurzen Zeit von Mekka nach Jerusalem und stieg vom Felsendom aus in den Himmel hinauf. Bei seiner Reise durchschritt er die Grenzen der irdischen und materiellen Welt und sprach mit Propheten wie Moses, Abraham und Jesus.

Er traf also auf Jesus. Jesus, der aus christlicher Sicht ebenfalls in den Himmel gestiegen ist, jedoch nicht zurückkehrte, wie Muhmmad es tat. Der Himmelfahrt Jesu, der auch von den Muslimen als ein großer Prophet gepriesen wird, gedenken die Christen heute.

Doch was bedeutet Christi Himmelfahrt und wie wichtig ist sie für Christen?

Eine kleine Gemeinde versammelt sich im Garten der Kirche. Helfer hatten zuvor Bänke und Stühle mitten ins frische Grün gestellt. Zwischen Knospen und Vogelgezwitscher lauschen die Menschen den Worten des Pfarrers. Er spricht von der Himmelfahrt Christi, von Frieden auf Erden, vom Reich Gottes. Der Gottesdienst unter freiem Himmel ist die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Passend dazu singen sie das Lied „Da berühren sich Himmel und Erde“. Es ist nicht nur für Christen gemeint. Es fordert uns alle dazu auf für Frieden zu sorgen. Da heißt es im dritten Vers: Wo Menschen sich verbünden, den Hass überwinden, und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Für Christen sind Osterfest und Christi Himmelfahrt daher grundlegend für ihren Glauben. Die Auferstehung Jesu drei Tage nach dem Tod und die Rückkehr zu seinem Vater bedeuten den Sieg über alle Mächte der Welt. Es ist nicht nur ein Sieg über den Tod, es ist zugleich die Befreiung von der Sünde. Laut der Apostelgeschichte soll Jesus noch 40 Tage nach seiner Auferstehung mit seinen Jüngern gesprochen und vom Reich Gottes gepredigt haben. Auf einem Gemälde aus dem 14. Jahrhundert sind die Geschehnisse, wie sie in der Bibel erzählt werden, dargestellt: vor versammelter Gefolgschaft steigt Jesus Christus gen Himmel. Er ist umgeben von einer Mandorla (lat. Mandel), die seine Herrlichkeit verdeutlichen soll. Mit der Heiligen Schrift in seiner linken Hand und dem Segensgestus mit der Rechten bringt er Frieden auf Erden und Hoffnung für die Menschen. Zwei Engel begleiten ihn in den Himmel. Ein dritter Engel kniet auf einem Felsen und betrachtet die Jünger und Frauen, die sehnsüchtig und erstaunt gen Himmel schauen. Jesus wird, während er zu ihnen spricht, in den Himmel erhöht. Ungläubig schauen sie immer wieder nach oben, warten, dass noch etwas passiert. Einer der Jünger schlägt die Hände über den Kopf zusammen. Ein Ausdruck der Verzweiflung und Fassungslosigkeit.

Doch die Himmelfahrt Christi bedeutet nicht, dass Jesus von seinen Anhängern gegangen ist. Ganz im Gegenteil. Seine Auferstehung und Rückkehr zu seinem Vater bedeuten, dass er nicht nur bei Gott ist, sondern für ewig mitten unter ihnen verweilt.

Aber nicht nur in der christlichen Kunstgeschichte wurde diese Darstellung verwendet, um den Gläubigen die Himmelfahrt anschaulich zu machen. In manchen Kirchen war es Brauch, während der Gottesdienste an Christi Himmelfahrt eine Christusstatue an Seilen bis zur Decke der Kirche hochzuziehen. Heute findet dieses Ritual kaum noch statt. Aus theologischer Sicht stellt es ein falsches Bild von der Himmelfahrt dar. Sie wird nicht als Reise an einen geografischen Ort gesehen.

Sie ist eine Reise in den Herrschaftsbereich Gottes. Es bedeutet: Wer sich zu Christus bekennt, seine Taten und Worte mit anderen austauscht, sie verbreitet, bereitet mit ihm gemeinsam das Reich Gottes vor.