ARCHIV: Kurden feiern am 25.09.2017, nach der Schließung der Wahllokale für eine Referendum für einen unabhängigen kurdischen Staat, auf einer Straße in Erbil (Irak). Foto: Oliver Weiken/dpa
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Atatürk, die Sowjetunion und nun die USA: Die Historie der Kurden im Nahen Osten ist eine Geschichte des Verrats. Der neue Krieg gegen die Kurden zeigt: Der Westen verrät die Kurden – wie immer.

Es ist ein Paradox der internationalen Politik: Die Türkei greift in Syrien ausgerechnet jene kurdische Miliz – die Volksverteidigungsfront YPG – an, die am entschlossensten gegen die Terrorgruppe des sogenannten IS kämpfte. Türkeis Nato-Partner USA, bislang engster Waffenbruder und –zulieferer der Kurdenkämpfer, lässt das kalt. Washington sowie der gesamten westlichen Welt fallen zur türkischen Invasion in Afrin – offiziell zynisch „Operation Olivenzweig“ genannt – nur warme Worte ein.

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Die Welt verrät die Kurden – wieder einmal. Denn dieser Verrat reiht sich ein in eine lange Liste von Enttäuschungen und Vertrauensbrüche. Bereits vor hundert Jahren brach der türkische Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk sein Versprechen, den Kurden größte Unabhängigkeit zu gewähren, sollten sie ihn bei der Gründung der modernen Türkei unterstützen. Geworden ist daraus: nichts.

Stattdessen haben die Türken seither mehr als eine Million Kurden in den Irak, den Iran und nach Syrien zwangsumgesiedelt. Mehrere Millionen mussten nach Europa, die USA und andere Länder des Nahen und Mittleren Ostens flüchten. Ihre Sprache, Schrift und Kultur wurden verbannt. Mehrere Kriege – zuletzt 2015 im Südosten der Türkei, insbesondere in der Stadt Cizre – führte die Türkei gegen die PKK und andere kurdische Guerillagruppen.

Historie des Verrats

Im Kalten Krieg schlugen sich die Kurden mal auf die Seite der Sowjetunion, mal auf die Seite der USA. Es nützte alles nichts. Die Historie der Kurden im Nahen Osten ist eine Geschichte des Verrats. Die Kurden sind mit weltweit 30 Millionen Menschen heute das größte Volk auf Erden ohne eigenes Staatsgebiet.

Zwar haben die Kurden mit Rojava eine De-facto-Autonomie im Norden Syriens erlangt. Das Gebiet gilt als sicherer Hafen in einem vom Bürgerkrieg zerschundenen Land und überstand Assads Bombenterror weitestgehend unbeschadet. Die Kurden kontrollieren heute rund 700 der gut 900 Kilometer langen türkisch-syrischen Grenze.

Und das ist das Problem: Geht es um die Selbstbestimmung der Kurden, interveniert Ankara rigoros. Denn Erdoğan lehnt nicht nur eine Unabhängigkeit für die türkischen Kurden ab. Die türkische Regierung will auch eine autonome kurdische Region innerhalb eines neuen syrischen Staates unbedingt verhindern. Militärische Gewalt gilt Erdoğan dabei als legitim.

Ein Kurdenstaat rückt so in weite Ferne. Es ist zwar noch nicht allzu lange her, da sahen die Kurden wie die großen Gewinner des Kriegs in Syrien aus. Doch die „Operation Olivenzweig“  ändert alles.

 

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