Foto: Turkish Presidental Press Office/dpa

Der G20 Gipfel ist ein wirtschaftliches Showdown, doch wie sehen die Hintergründe der muslimischen Teilnehmerländer aus? Während auf einer Hälfte der islamischen Welt Krieg, Not und Elend herrscht, Menschen zu hunderttausenden sterben, wieder so viele Menschen sich auf die Flucht begeben, um wenigstens ihre Familien zu retten, führen Länder wie Saudi Arabien, Katar, Oman, Kuwait, Seychellen, Malediven und weitere ihr Leben in grenzenlosem Reichtum und unbegrenztem Konsum fort. Sie nehmen nahezu keine Flüchtlinge auf, während Länder wie die Türkei 3,5 Millionen und Deutschland über 700 Tausend Flüchtlinge beheimatet, ihnen Obdach gewährt. 

Die Türkei ist in der weltweiten Flüchtlingsbewegung eine Festung der Bedürftigen, keine Frage. Ob das Land diese Hilfeleistung völlig selbstlos macht, oder nicht ist in diesen Dimensionen sogar unwichtig. Die Unterstützung der türkischen Bevölkerung wird aber als ein Paradebeispiel in die Geschichte eingehen. Doch auf der anderen Seite werden in der Türkei türkische Zivilisten, Institutionen, NGOs, Bildungseinrichtungen, Banken und private Unternehmen durch die politische Hand enteignet und ihr Vermögen wird unter Regierungsfreunden einfach umverteilt. Unterschiedlichen Medienberichten zufolge wurden in der Türkei seit dem gescheiterten Putschversuch tausende Einrichtungen durch die Hand der Regierung einkassiert und zum Beispiel an Geschäftsleute aus der Schwarzmeer-Region übergeben. Zum Teil wurden wertvolle Anlagen und Objekte sogar an beispielsweise die Katarer verkauft. 

Das dtj sprach mit einem solchen Enteigneten, dessen Namen wir aus Sicherheitsgründen nicht preisgeben können. Nennen wir ihn Hamdi. Hamdi war noch vor kurzem ein angesehener Geschäftsmann, saß mit zahlreichen hochrangigen AKP Politikern im engsten Kreise zusammen. „Meine Geschäfte liefen blendend, solange ich mit ihnen befreundet war. Das ist überall auf der Welt so. Wenn du das ganz große Business machen willst, ist das der Weg. Politische Kommunikation“ gibt Hamdi heute verbittert zu. Seine Geschäfte habe seine ehrliche und hitzköpfige Art ruiniert, meint Hamdi heute, „Als die Diskussionen losgingen, dass hinter all den schlimmen Taten in der Türkei die Gülenisten stecken würden, habe ich oft genug und in aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, wie sehr diese Theorie an den Haaren herbei gezogen ist. Ich kann eines nicht ertragen: Lügen. Doch etwas kann ich noch weniger ertragen: Billige Lügen!“ Seine spitze Zunge und die ablehnende Haltung zu dem Vorwurf, hinter dem Putsch und den schlechten finanziellen Werten stünde die Gülen Bewegung, haben Hamdi mehr und mehr aus seinem Umfeld isoliert. „Die Einnahmen brachen ein. Als ich meine Freunde darauf angesprochen habe, taten sie verwundert. Im Hintergrund haben meine eigenen Recherchen ergeben, dass sie sich ohne mich in kleinen Kreisen getroffen haben, um gemeinsam mein Unternehmen zu isolieren und vom Markt zu drängen“. So ist es dann auch gekommen, Hamdi hat keine Kunden mehr gefunden, sein Unternehmen kam zum Stillstand, als einer unter seinen alten Freunden zu ihm kam, um noch als letzten Freundschaftsakt ihn zu warnen. „Die anderen wussten nichts davon, um ihn zu schützen muss ich anonym bleiben, aber ein Freund hat mir mitgeteilt, dass ich vielleicht noch eine Woche Zeit hätte das Land zu verlassen. Andernfalls würde es zu spät werden, da unsere alte Clique an einer Akte arbeite, um mich als FETÖ Anhänger abzustempeln. >>Sie sammeln alte Nachrichten und Mails Hamdi, hau ab!<<“, erinnert sich Hamdi heute. Er ist sich sicher, dass sich sein Freundeskreis unter den Geschäftsmännern untereinander organisiert haben, weil ihnen schon Monate vorher jemand sein Unternehmen versprochen habe, „Wenn sie mich glaubhaft belasten, würden Sie mein Vermögen bekommen und aufteilen. Ein Haifischbecken und ich bin ihr Köder“.

Heute lebt Hamdi wie zahlreiche andere Unternehmer, Akademiker und Intellektuelle aus der Türkei hier in Europa. Einige haben sich in der Schweiz, Österreich und in Italien abgesetzt. Die meisten suchen aber den Weg nach Deutschland. Hier wollen sie eine Existenz gründen. Geschäftsmänner, die jahrelange Erfahrung auf dem höchsten Niveau gesammelt haben. Für die Türkei ist die Auswanderung solcher Personen langfristig ein Verlust, für Europa könnte es hingegen ein Gewinn sein. 

Nichts desto trotz, handelt es sich bei diesen Ländern um islamische Länder, deren Regierungen auch allesamt den Anspruch erheben, streng konservative Muslime zu sein. Doch der Islam verbietet diese Form von Repressur, Drangsalierung und letztendlich Diebstahl in großem Format. 

Der ethische Ansatz des Islam ist eigentlich, wenn man sich die Baiscs anschaut: “Man soll nicht lügen“. Das kann man als Geschäftsmann, Geschäftsfrau auf sich beziehen. Ein anderes Beispiel wäre, „Man soll nicht mit falschem Maaß messen“. Man soll in seinem Handeln stets an das Jenseits und an das jüngste Gericht denken.

Im Schatten dieser Widersprüche scheint der Islam als Religion von seinen Gläubigen verraten zu werden. Der nationale Dichter und Autor der türkischen Hymne Mehmed Akif Ersoy schrieb bereits Anfang der 90´er Jahre in einem Gedicht:

Wo stecken die Muslime! Sogar die Menschlichkeit hat uns verlassen…

Die echten Muslime die ich sah, haben uns längst allein gelassen;

Von den Muslimen weiß ich nichts, aber ihr Glaube scheint im Himmel zu sein.