Die Sultanahmet Moschee ist die bekannteste Moschee der Türkei.
Die Sultanahmet Moschee ist die bekannteste Moschee der Türkei.

Eine Moschee ist eine Moschee, richtig? Falsch! Zwar könnte man das annehmen, wenn man durch die Türkei reist und annimmt, dass jede Moschee nach einem gleichen Schema gebaut wurde, doch die Realität sieht anders aus. Die Türkei beherbergt eine riesige Auswahl an Moscheen. Die folgende Auswahl stellt die schönsten Moscheen der Türkei vor, die alle einem anderen Stil entsprechen.

Ulu Cami, Diyarbakır

Die Ulu Camii, Große Moschee, zählt zu den ältesten und bedeutendsten Moscheen Ostanatoliens. 5000 Menschen können hier beten. Sie ist zudem bekannt dafür, die vier muslimischen Rechtsschulen unter einem Dach zu vereinen. Es wird überliefert, dass sie im 11./12. Jh. an der Stelle einer Kirche aus dem 5. Jh. im Stil der Omajadenmoschee von Damaskus erbaut wurde, die später allerdings aufgrund eines großen Brandes, mehrfach restauriert und verändert werden musste. Hinter der Ulu Camii befindet sich das  Zincirli Medresesi aus dem 12. Jh. Die Zellen der Schüler gruppieren sich um den quadratischen Hof der Moschee. An der Ostseite besitzt sie eine Bogenhalle (Iwan). Früher war sie ein archäologisches Museum.

Ulu Cami, Diyarbakır

Alaaddin Cami, Konya

Die Alaeddin Cami von 1221 ist nach alten arabischen Vorbildern als Pfeilerhallenmoschee erstellt worden, deren Holzdecke von 42 antiken Säulen getragen wird (Waldmoschee). Im Mittelraum ruhen – neben der Gebetsnische und einer alten Kanzel – in einer blauen Fayencen verkleideten Türbe mehrere seldschukische Herrscher mit einigen ihrer Verwandten. Den Vorhof beherrscht das Mausoleum, ein zehneckiger Pyramidendachbau, mit dem Grab von Kılıç Arslan II.

Alaaddin Cami, Konya

İsa Bey Cami, Selçuk

Touristen, die sich dazu entscheiden die Ruinen von Ephesus in Selçuk anzuschauen, werden die Möglichkeit erhalten, ein weiteres Meisterwerk der Beylik Periode zu Gesicht zu bekommen: die große und wunderschöne İsa Bey Cami, die 1375 gebaut worden ist. Abgesehen von der Lage in der weiten westlichen Seite der Türkei, weist diese Moschee einige Ähnlichkeiten mit der Ulu Cami in Diyarbakır, beide haben einen großen Vorhof, in dem die Gemeinde einst auch draußen gebetet hat. Allgemein ist die Moschee ein Beispiel für die Verwandlung von einer seldschukischen zu einer osmanischen Architektur. Die ausgearbeiteten Verzierungen am Tor sind Spuren der seldschukischen Ära, während die Zwillingstürme von der frühen osmanischen Zeit stammen.

İsa Bey Cami, Selçuk

Eşrefoğlu Cami, Beyşehir

Die Eşrefoğlu Cami ist ein weiteres Meisterwerk in der Beylik Ära, das zu den „Selçuk“-Moscheen gezählt wird. Bekannt ist sie als „Waldmoschee“, da die innere Architektur teilweise aus Holz besteht. Gebaut wurde sie 1299. Sie weist nicht nur 42 prächtige Holzsäulen auf, sondern zahlreiche weitere Holzelemente wie das Mimbar (Kanzel) sowie Sitzboxen für den Muezzin (Gebetsrufer).

Eşrefoğlu Camii UNESCO Listesinde

 

Hüdavendigar Cami, Bursa

Als die Osmanen begannen in Anatolien die Moscheen zu übernehmen, waren ihre Bauten anfangs bescheidener als diejenigen, die folgten. Viele solcher Exemplare können in Bursa, der ersten osmanischen Hauptstadt, besichtigt werden. Die Hüdavendigar Moschee, die zwischen 1363 und 1366 für Sultan Murad I gebaut worden ist, ist ein weiteres eindrucksvolles Exemplar. Die Außenseite gleicht eher einem byzantinischen Palast als einer Moschee. Es ist schade, dass nur wenige Besucher dieses Prachtstück besichtigen.

Hüdavendigar Cami, Bursa

Küçük Ayasofya, İstanbul

Nachdem die Osmanen 1453 die Byzantiner besiegt und Konstantinopel erobert hatten, mussten sie improvisierte Gebetsräume nutzen. Dies bedeutete, dass alle byzantinischen Kirchen zu Moscheen umgebaut wurden. Die so genannten „Kirchen-Moscheen“ Hagia Sofia (Ayasofia) und die Chora Kirche (Kariye Moschee) gehörten dazu. Beide werden gleichzeitig als Museen und Gebetshäuser genutzt. Ein weiteres Beispiel ist die Küçük Ayasofya, die 527 als Sts. Sergius und Bacchus Kirche gebaut wurde. Von außen ist sie nicht besonders anziehend, doch im Inneren befinden zwei Reihen von Marmorsäulen, die mit Holzschnitzereien und Inschriften verziert sind.

Sergius_and_Bacchus_Church_February_2011

Süleymaniye Cami, Istanbul

Unter allen türkischen Architekten ist keiner so angesehen wie der große Sinan (c. 1490-1588). Heute stehen über 80 Gebäude, die er entworfen hatte, immer noch in Istanbul. Dazu gehören Medreses, Hamams und Brücken. Doch die größten Spuren in der Stadt hinterließen seine Moscheen. Von diesen Moscheen ist eine sogar kürzlich restauriert worden: die Süleymaniye, die große Moschee, die für Süleyman den Prächtigen gebaut wurde. Süleymaniye ist groß, prächtig und überfüllt. Einige Besucher bevorzugen es, die kleinere Rüstem Paşa Moschee zu besuchen, die in der nähe der Galata Brücke liegt.

Süleymaniye Cami, Istanbu

Sultanahmet Cami (Blue Mosque)

Die wohl bekannteste und beliebteste Moschee der Türkei ist die Sultanahmet Moschee, auch Blaue Moschee genannt. Diese wurde zwischen 1609 und 1616 gebaut und weist eine ähnliche Architektur auf wie die Süleymaniye Moschee und weist eine unübertroffene Auswahl an İznik Fliesen auf. Obwohl Sultan Süleyman mit vier Minaretten völlig zufrieden war, wünschte sich Sultan Ahmed I sechs. Damit ragte die Sultanahmet Moschee aus der Masse heraus, bis 1998 in Adana die zweite Moschee der Türkei mit sechs Minaretten gebaut wurde: Sabancı Zentralmoschee.

Sultanahmet Cami (Blue Mosque)

Ortaköy Cami, İstanbul

Viele denken, dass die türkische Moscheenarchitektur Ende des 17.Jahrhunderts langsam zurückging. In der letzteren Hälfte des 19.Jahrhunderts wurde zahlreichen Balyan Familien (berühmte osmanische Architekten armenischer Abstammung) viele Moscheen in Istanbul geschenkt, besonders am Bosporus. Eine dieser Moscheen ist die Büyük Mecidiye in Ortaköy, die 1855 gebaut wurde und die heute direkt unter der Bosporus Brücke steht. Die Örtaköy Moschee hat nur einen großen Dom mit zwei Minaretten. Die Dolmabahçe Moschee ist mehr oder weniger ein Abbild davon.

Ortaköy Cami, İstanbul

Şakirin Cami, İstanbul

Die Moderne spielte bei den Istanbuler Moscheen in der Architektur keine große Rolle. Eine Ausnahme ist die Şakirin Moschee in der Nähe des Karacaahmet Friedhofs zwisschen Üsküdar und Kadıköy. 2011 wurde der Bau dieser Moschee vollendet. Äußerlich erinnert sie an die Architekturen Frank Gehrys, doch im Inneren ist sie ein Unikat. Es handelt sich dabei um das Werk einer einzelnen weiblichen Architektin, Zeynep Fadıllıoğlu, und präsentiert ein türkis- und godlfarbenes Mihrab mit wundervoller goldener Kalligraphie und Kronkleuchtern. Ein sehr sehenswertes Meisterwerk.

 

Şakirin Cami, İstanbul