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„Die türkische Demokratie hat versagt, weil sie islamische Werte verraten hat.“ Das schreibt der Islam-Gelehrte Fethullah Gülen in einem Gastbeitrag für die französische Zeitung „Le Monde“. Gülen und seinen Anhängern wird von der türkischen Regierung vorgeworfen, den gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 in der Türkei organisiert zu haben. Gülen selbst weist die Vorwürfe zurück. Dennoch wurden nach dem Putschversuch zehntausende Menschen in der Türkei wegen Nähe zum Gelehrten und mutmaßlichen Verbindungen zum Putschversuch verhaftet oder aus staatlichen Ämtern entlassen. Seitdem wirft die internationale Gemeinschaft der türkischen Regierung eine Abkehr von Werten der Europäischen Union und der Menschenrechte vor.
 

Gülen: Türkische Regierung hat 2002 Menschenrechte gestärkt

Der Gelehrte Gülen erklärt in dem Gastbeitrag für „Le Monde“, dass die türkische Regierung 2002 mit demokratischen Werten an die Macht gekommen sei und die Türkei in Bezug auf die Menschenrechte gestärkt habe. Die damaligen Reformen hätten aber keinen Bestand gehabt, so Gülen. „Nach ein paar Jahren sind die Reformen ins Stocken gekommen. Nach dem dritten Wahlsieg 2011 hat der damalige Ministerpräsident und heutige Staatspräsident Erdoğan eine komplette U-Wende gemacht.“
 
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„Unvereinbar mit islamischen Werten“

Gülen beklagt sich über die falsche These, die aufgrund der negativen Entwicklung der Türkei entstehen könne. Manche würden das negative Beispiel der Türkei als Beweis für die Unvereinbarkeit zwischen demokratischen und islamischen Werten ansehen: „Das wäre ein Trugschluss“, so Gülen. Schließlich seien die Aktivitäten der Regierung von Beginn an gegensätzlich zu grundlegenden islamischen Werten gewesen – auch wenn man das Gefühl gehabt habe, die Regierung lege eine gewisse Sensibilität an den Tag, was islamische Werte angeht.
 

„Jedem dieselbe Meinung aufzuzwingen ist respektlos“

Gülen sprach auch die Multikulturalität in der Türkei an: „Sunniten, Aleviten, Türken, Kurden oder zugehörig zu einer anderen ethnischen Gruppe, Muslim oder nicht, gläubig oder laizistisch… Jeder Bürger hat andere Meinungen, andere Philosophien oder einen anderen Glauben. Zu versuchen, dass jeder gleich wird, ist nicht nur ein unnötiger Versuch, sondern auch eine Respektlosigkeit gegenüber der Menschlichkeit.“ Jede Meinung müsse respektiert werden.
 
Hier finden Sie den originalen Gastbeitrag in französischer Sprache.
 
Hier finden Sie den Gastbeitrag in türkischer Sprache.