Die Türkei wird ein „Goldenes Gaszeitalter“ erleben

Birol kündigte an, dass es in den nächsten Jahren zu einer massiven Steigerung der Erdgas-Produktion kommen und der Welt ein „Goldenes Gas-Zeitalter“ bevorsteht.
Beim Umgang mit den natürlichen Vorkommen müsse unbedingt der Umweltschutzgedanke berücksichtigt werden, betonte der IEA (Internationalen Energieagentur der OECD in Paris) Volkswirt. Werden diese „Goldenen Regeln“ eingehalten, könne auch die in vielerlei Hinsicht davon profitieren.
Birol präsentierte am Sonntag in Washington vor der Carnegie-Stiftung einen neuen Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) mit dem Titel „Goldene Regeln für das Goldene Gaszeitalter“.
In seinem Bericht fasst er die Einzelheiten der „Goldenen Zeitalters der Gasversorgung“ zusammen: „Wir sehen eine revolutionäre Veränderung in den Erdgas-Märkten. Dieser Umbruch wird sowohl wirtschaftlich als auch geopolitisch sowie im Hinblick auf die Umwelt Auswirkungen haben. Bis jetzt wurden mit dem Begriff „Gasversorgung“ die Länder Russland, Iran und Katar in Verbindung gebracht. Aber seit 4 – 5 Jahren nehmen die Vereinigten Staaten von Amerika mit der Gewinnung von Erdgas im Tiefengestein durch Fracking eine führende Rolle ein.“
Steigung der Gasproduktion um 50 Prozent
In naher Zukunft werden auch China und Australien zu wichtigen Gas-Produzenten heranwachsen, davon ist Birol überzeugt. „In Europa macht Polen entscheidende Fortschritte. Somit wird es zu einer Steigung in der weltweiten Gasproduktion kommen. Im ‚Goldenen Gaszeitalter’ wird sich die Gasproduktion verdoppeln. Die Nachfrage nach Gas wird in den kommenden 20 Jahren um mehr als 50 Prozent steigen. Die Kapazität liegt derzeit bei rund 3000 bcm (Milliarden Kubikmeter).“
Die Preise werden fallen
Birol geht davon aus, dass die Erdgas-Preise in Zukunft nach unten gedrückt werden: „Wir erwarten einen Rückgang (Preisfall) von 30-35 Prozent. Die ersten Anzeichen dafür sehen wir bereits. Momentan liegt der Gaspreis in den USA bei 2-2.5 US $, in Europa bei 12 $ und in Asien bei rund 17 $. In der US-Wirtschaft sind insbesondere die petrochemische Industrie und die verarbeitende Industrie vergleichsweise zu ihren Konkurrenten im Vorteil. Wenn alles gut läuft, werden wir innerhalb der nächsten 4-5 Jahre einen dramatischen Preisfall .“
Die erste Goldene Regel ist „Transparenz“
In vielen Ländern kann es während der Gewinnung von Erdgas im Tiefengestein zu schwerwiegenden Umweltproblemen und sozialen Schwierigkeiten kommen, gab Birol zu bedenken. „Und um diesen Problemen entgegenzuwirken, haben wir einen Bericht erstellt, der mögliche Lösungswege vorschlägt und darauf hinweist, welche Kriterien bei der Umsetzung zu beachten sind. Diese nennen wir die ‚Goldenen Regeln’. Falls diese Regeln befolgt werden, kann Erdgas, ohne der Umwelt zu schaden, gefördert werden.“ Die wichtigste „Goldene Regel“ laut Birol sei die völlige Transparenz der Gas-Unternehmen bei den Angaben zur Förderung der Vorkommen.
Fatih Birol betonte weiterhin, dass „für die Türkei in den kommenden Jahren in Bezug auf die Energie-Diplomatie drei wichtige Länder existieren, und diese drei sind der Irak, Irak, Irak. Sowohl in Hinblick auf Erdgas und Erdöl als auch in Bezug auf ihren Beitrag zu Produktion und Vermarktung.“
Die Türkei muss ihre Kaufkraft von LNG (Liquefied Natural Gas, zu deutsch: Verflüssigtes Erdgas) vervierfachen
In Hinblick auf das „Goldene Gaszeitalter“ und seine direkte Auswirkung auf die Türkei fügte Birol hinzu: „Während die Welt auf das ‚Goldene Zeitalter der Gasversorgung’ zugeht, werden vor allem die Länder davon profitieren, die am meisten Gas verbrauchen. Einer dieser Länder ist auch die Türkei und sie kann auf zwei Arten daraus Vorteil ziehen. Erstens gibt es auch in der südostanatolischen Verwerfungszone Gaslagerstätten. Aber diese Lagerstätten sind nicht groß genug, um die Zukunft der Türkei nachhaltig zu ändern. Zweitens: Falls die Türkei in eine neue Ära geht, werden die Erdgas-Preise fallen und die Länder, die den Markt beherrschen, ihre Macht zwangsläufig einbüßen. Falls die Türkei von den sinkenden Gas-Preisen Gewinn erzielen möchte, so muss sie in den bestehenden Vereinbarungen ihren Schwerpunkt auf Flüssig-Gas setzen. Den Großteil des Gases erhalten wir durch Gas-Pipelines. Wir müssen dies mindestens um ein Vierfaches steigern.“ ZAMAN
Übersetzung: Funda Karaca