„Die türkische Staatstradition lehnt Assimilation ab“

Als „hässliche Verleumdung“ bezeichnete Erdogan die Äußerungen der MHP-Führung, die Kurdisch als Wahlfach als den ersten Schritt zur Schulbildung in der Muttersprache betrachtet: „In unserer Staatstradition hat zu keiner Zeit Verleugnung, Diskriminierung oder Assimilation stattgefunden. Sowohl im Seldschukischen als auch im Osmanischen Reich hat jeder nach eigenen Wünschen gesprochen und geglaubt“, sagte Erdogan. In diesem Zeitraum hätten alle Menschen von Marokko bis Tabris, von Sana bis Krim, von Basra bis Sarajewo nach ihrer eigenen Vorstellung gelebt, ihren eigenen Wünschen entsprechend gesprochen. Dieses Verständnis solle auch in der Türkischen Republik vorherrschen.

Die Führung der MHP hingegen habe im Namen des Nationalismus auf dieses Erbe verzichtet und die Seele der Seldschuken und Osmanen mit Füßen getreten. Wenn Bahçeli, der Führer der MHP, und seine Partei-Freunde sich die Mühe machen würden, die Geschichte der Seldschuken und Osmanen zu studieren, würden sie dort allen modernen Rechten von heute begegnen. „Im Osmanischen Reich wurde das Gesetzblatt auch in der armenischen und griechischen Sprache gedruckt. In den Balkan-Ländern, im Nahen Osten, Nordafrika gab es Beamte, die in der Sprache der Region kommunizierten“, so Erdoğan. Das Osmanische Reich habe mit dieser toleranten Einstellung und der Garantie dieser Rechte 600 Jahre bestehen können. „Leider hat es in der Türkei auch eine Zeit gegeben, in der die Regierenden vom Faschismus in Europa mitgerissen wurden. Wir sehen uns noch mit den Überresten dieser Zeiten konfrontiert. Unsere Bekämpfung dieses Erbes geht weiter, wir weisen die ganze Politik der Verleugnung, Diskriminierung und Assimilation zurück“, fügte Erdoğan hinzu.
MHP-Führer Devlet Bahçeli hatte der AKP-Regierung vorgeworfen, sich mit Hilfe der CHP dafür einzusetzen, die türkische Nation aufzulösen.