Der türkische Premierminister Ahmet Davutoğlu hat sich erstmals zu den Missbrauchsfällen im zentralanatolischen Karaman zu Wort gemeldet.

Er bezeichnete den Lehrer der Ensar-Stiftung, dem vorgeworfen wird, mehrere Minderjährige über drei Jahre hinweg sexuell missbraucht zu haben, als „Abschaum der Menschheit“: „Dieses Monster, das in meinen Augen kein Mensch ist, wird nie wieder Tageslicht erblicken.“ Davutoğlu versprach im Rahmen einer Veranstaltung in Manisa am Freitag, dass „alle notwendigen Schritte“ gegen den Angeklagten unternommen würden.

Der Fall hatte unter der Woche für Erschütterung gesorgt und es sogar bis ins Parlament geschafft. Mitverantwortlich dafür war auch die Reaktion von Familienministerin Sema Ramazanoğlu, die die der AKP nahestehende Stiftung in Schutz nahm.

Der Premierminister schlug im Gegensatz zu seiner Ministerin einen ganz anderen Ton an. „Leider sieht unser Strafrecht nicht die für diese Art von Verbrechen gerechte Strafe vor. Jedes Kind ist für uns wie unser eigenes Kind. Wir werden es nicht erlauben, dass solche Verbrecher erneut die Möglichkeit bekommen, unsere Kinder zu missbrauchen. Deswegen werde ich persönlich diesen Fall verfolgen.“ Die AKP hatte zunächst im Parlament noch versucht, eine Aufarbeitung des Falls zu verhindern.

Auch von der Ensar-Stiftung liegt eine erste Stellungnahme zu den Vorwürfen vor. Der Vorsitzden İsmail Cenk Dilberoğlu hat kein Verständnis dafür, dass der Fall heruntergespielt wird.

Und was Davutoğlu nur andeutete, sprach Dilberoğlu offen: „Die geforderten 600 Jahre Haft sind zu wenig. Er verdient die Todesstrafe“.