Kabarettist Dieter Nuhr hat die Ermittlungen gegen Jan Böhmermann wegen eines Schmähgedichts auf den türkischen Präsidenten verteidigt. “Beleidigung ist gesetzlich verboten. Das gilt auch für den türkischen Staatspräsidenten, weil das Gesetz bei uns für jeden gilt”, schreibt der 55-Jährige in einem Gastbeitrag für den “Tagesspiegel” (Mittwoch). Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe Böhmermann nicht türkischen Foltergefängnissen übergeben, sondern nur festgestellt, was selbstverständlich sein sollte, argumentiert Nuhr. Juristische Entscheidungen seien Sache der Justiz, nicht der Politik. “Hier gibt es nichts zu jammern. Wir leben ja nicht in einer Bananenrepublik, in der man Gesetze nach Geschmack anwenden oder ignorieren kann.”

Böhmermann hatte in seiner TV-Show den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan verbal und deutlich unter der Gürtellinie angegriffen, um nach eigenen Worten den Unterschied von erlaubter Satire und verbotener Schmähkritik zu zeigen. Satire dürfe aber nicht alles, schreibt Nuhr. Der Begriff Ziegenficker, der im Gedicht auftaucht, sei rassistisch. Er gehe davon aus, dass der Moderator mit der Argumentation juristisch durchkomme, “auf der Metaebene der Metaebene der Kunst” tätig gewesen zu sein. “Dann werden vielleicht bald auch die Judenhasser, Holocaustleugner und Hassprediger Gedichte schreiben und behaupten, das Ganze sei ja nur Satire.”

Über Erdoğan schreibt Nuhr, dass es sich bei ihm um einen “humorlosen Prozesshansel, einen korrupten Gewaltherrscher und einen zynischen Kriegstreiber” handele. (dpa/dtj)