Welcher Migrant kennt die Situation nicht: Ein Mensch mit einem so genannten Migrationshintergrund begegnet der Verwaltung seiner Stadt. Anspannung, Verunsicherung und Verständigungsprobleme sind nur wenige Schlagworte, die eine mögliche Atmosphäre beschreiben. Wenn Menschen mit Migrationshintergrund auf Ämter, Kammern und andere Institutionen einer Stadtgesellschaft treffen, dann kann es vorkommen, dass diese als „Orte der Verunsicherung“ empfunden werden.

Und welcher Beamte oder Angestellter einer öffentlichen Einrichtung kennt diese Situation nicht: Ein auf dem ersten Blick fremd wirkender Bürger betritt sein Büro, der ein Anliegen schildert, das zunächst eindeutig scheint. Nach einer gewissen Zeit wird aber schnell deutlich, dass die Lösung seines Problems nicht einfach sein wird. Weitere Informationen und Unterlagen werden benötigt, um den Vorgang angemessen bearbeiten zu können. Eine solche Situation stellt die Sozialkompetenz, Solidarität und Toleranz auf die Probe. So kann es auch hier vorkommen, dass der eigene Arbeitsplatz als „Ort der Verunsicherung“ empfunden wird.

Barrieren dauerhaft abbauen – aber wie?

Eine solche Zusammenkunft kann einer Kollision gleichen, die zur Verkettung zahlreicher Missverständnisse führen kann, durch die gegenseitige Vorurteile vertieft werden, die wiederum einen Dialog erschweren. Der Vergleich mit einem Teufelskreis ist daher naheliegend. Es ist daher im Interesse aller Beteiligten und Betroffenen, Barrieren jedweder Art zu überwinden und dauerhaft abzubauen. Doch dies geschieht nicht von heut’ auf morgen. Es ist ein Prozess, bei dem auf allen Seiten verschiedene Ressourcen aktiviert werden müssen.

Diskriminierung ist stete Begleiterin einer heterogenen Gesellschaft

Eine zentrale Ressource stellt in diesem Zusammenhang die Empathie dar. Sie ist eine Fähigkeit, durch welche ein Mensch sich in die Lage eines anderen hineinversetzen kann. Dafür sind Kenntnisse über die Lebenswirklichkeit des anderen, die zumeist durch Begegnungen ermöglicht werden, eine wichtige Voraussetzung. Wenn ein Beamter der Ausländerbehörde sich idealiter einmal selbst in der gleichen oder einer ähnlichen Situation befunden hat wie der Ausländer, der ihn mit einem Anliegen aufsucht, wird er realistischer einschätzen können, wie es diesem Menschen in dem Augenblick geht, da er in das Büro eintritt.

Dies gilt aber auch in die andere Richtung. Da Bürger bürokratische Abläufe eines Einwohnermeldeamts beispielsweise nicht kennen, können sie den Arbeits- und Zeitaufwand des Beamten kaum einschätzen. Begegnung schafft Empathie und fördert den Dialog und gegenseitiges Verständnis.

Diskriminierung ist immer die Begleiterin einer heterogenen Gesellschaft. Umso wichtiger wird es, dass die Mitglieder einer Gesellschaft diese Vielfalt kennenlernen und erleben. Dafür muss dieser Vielfalt Raum geboten werden.

In World Cafés über die Zukunft der diversitären Gesellschaft diskutieren

Dazu werden im Rahmen des Projektes „Transkulturelle Vernetzungsoffensive“ (kurz: TransVer-Offensive) – gefördert durch das Bundesprogramm Xenos – sogenannte Begegnungsräume in Dortmund veranstaltet. Das Projekt „TransVer-Offensive“ wird im Rahmen des Bundesprogramms „XENOS – Integration und Vielfalt“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Rund 40 Personen mit verschiedenen Hintergründen sind dazu eingeladen, sich über die Zukunft der diversitären Gesellschaft auseinanderzusetzen und auszutauschen. Der „Beamte“ trifft auf den „Migranten“, der wiederum auf die „ältere Dame“ trifft, die wiederum an die „junge türkische Studentin“ viele Fragen hat.

In Form von World Cafés tauschen die Teilnehmer ihre Erfahrungen über die eine Form der Gesellschaft aus, die sich durch Vielfalt der Lebensentwürfe auszeichnet. Hierdurch können Lernprozesse bei den Beteiligten angestoßen werden, die sie in ihre eigene Arbeits- und Lebenswelt einbetten können. Die Einladung an die Teilnehmer lautet daher, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie die Zukunft einer vielfältigen Gesellschaft mit allen ihren Chancen, Risiken und Konflikten aussehen könnte: Wie wird die Nachbarschaft in einer alternden und „kinderarmen“ Gesellschaft organisiert sein? Wird es eine Segregation nach Ethnien in den Städten geben? Vor welchen Herausforderungen steht eine Schule, die viele Kinder aufnehmen muss, deren Eltern jüngst als Fachkräfte nach Deutschland eingewandert sind? Werden sich die „alten“ und die „neuen“ Einwanderer verstehen?

Erster Begegnungsraum am 25. November in Dortmund

Der erste von vier Begegnungsräumen findet am heutigen Montag, den 25. November 2013, in Dortmund statt. Hier stehen die Themen „Identität, Familie und Nachbarschaft“ im Mittelpunkt. Er wird von der ersten türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten der CDU, Cemile Giousouf, eröffnet, die darüber hinaus im Rahmen der Veranstaltung einen Preis überreicht bekommen wird.

Weitere Informationen unter: www.transver-offensive.de oder www.futureorg.de