US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump will im Falle eines Wahlsieges keinen Druck auf die Türkei oder andere autoritäre Verbündete machen, falls diese politische Gegner ausschalten oder Bürgerrechte einschränken. Die USA müssten zunächst ihre eigenen Probleme lösen, sagte Trump am Mittwoch (Ortszeit) in Cleveland der New York Times. Statt andere Staaten zu kritisieren, wolle er an einer Außenpolitik festhalten, die sich an seinem Motto „Amerika zuerst“ orientiert.

„Sehen Sie, was in unserem Land passiert“, sagte Trump, der am Dienstag auf einem Parteitag der Republikaner zu deren Präsidentschaftskandidaten gewählt worden war. „Wie sollen wir Vorträge halten, wenn Menschen Polizisten kaltblütig erschießen?“

Trump äußerte sich sehr lobend über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. „Ich zolle ihm große Anerkennung, dass er in der Lage war, das herumzudrehen“, sagte er. „Manche sagen ja, das war inszeniert“, so Trump, „ich sehe das nicht so.“

Auf die Frage, ob Erdoğan die Situation nicht ausnutze, um sich seiner politischen Gegner zu entledigen, antworte Trump, dass er den türkischen Führer nicht dazu aufrufe, Rechtsstaatlichkeit oder westliche Standards in der Justiz einzuhalten. Jedoch sei er überzeugt, dass er Erdoğan dazu bringen könnte, mehr im Kampf gegen den IS zu unternehmen.

Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei hatte die Regierung am späten Mittwochabend einen Ausnahmezustand verhängt. Er trat in der Nacht zum Donnerstag in Kraft. Die Türkei ist ebenso wie die USA Mitglied des Verteidigungsbündnisses Nato. (dpa/dtj)