Der Berufsbildungsbericht 2014 zeigt einmal mehr deutlich auf, wohin die Reise geht: In keinem Jahr zuvor blieben so viele Ausbildungsplätze unbesetzt wie im Vorjahr. Insgesamt wurden 522 232 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, das waren 1,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Für die Bewerber ist das auf den ersten Blick natürlich ein Vorteil, da auf eine angebotene Stelle weniger Bewerber kamen und entsprechend ging auch die Zahl der unversorgten Lehrstellensuchenden um 21 000 und damit 0,8 Prozent leicht zurück.

Allerdings bietet der Rückgang der Lehrstellensuchenden noch keine Gewähr dafür, dass auch jeder von ihnen tatsächlich eine Lehrstelle bekommt. Zahlreiche Arbeitgeber klagen darüber, dass Bewerber nicht über die erforderliche Ausbildungsreife verfügten. Wenn Betriebe keine Möglichkeit sehen, geeignete Kandidaten für eine Ausbildung zu finden, lassen sie Stellen eher unbesetzt, als eine vorzeitige Vertragsauflösung zu riskieren.
Die Zahl der Vertragsauflösungen ist dennoch weiter gestiegen – mit deutlichen Unterschieden zwischen den verschiedenen Ausbildungsberufen. Am häufigsten kündigen junge Menschen in den Bereichen Gebäudereinigung, Schutz und Sicherheit, Friseurwesen, Umzugs- und Möbelservice sowie in der Gastronomie ihre Ausbildungsverträge.

Darüber hinaus gibt es erhebliche Differenzen hinsichtlich der Passgenauigkeit zwischen Angebot und Nachfrage. Während in einzelnen Berufsfeldern immer noch hoher Andrang herrscht, klagen andere darüber, dass zahlreiche potenzielle Auszubildende oft nicht einmal über die Breite des Spektrums an Ausbildungsberufen, die es in Deutschland gibt, Bescheid wissen.

Außerdem beklagten vor allem Kleinbetriebe, dass ihre Angebote vor allem von gut geeigneten Kandidaten zu wenig wahrgenommen würden, die mit der Beschäftigung in einem Großkonzern oft ein höheres Prestige verbänden. Kleinbetriebe hätten, so sagt der Bericht aus, „deutlich mehr Schwierigkeiten, ihre angebotenen Ausbildungsstellen zu besetzen“, heißt es in dem Bericht. Großbetriebe hingegen hätten im zunehmenden Wettbewerb um Ausbildungsbewerber „eine größere Attraktivität“ bei jungen Leuten und auch mehr Geld, geeignete Kandidaten zu finden.

Insgesamt bildete von den 2,1 Millionen Betrieben mit mindestens einem Beschäftigten nur noch etwa jeder fünfte (20,7 Prozent) einen jungen Menschen aus. 2007 lag diese Quote noch bei 24,1 Prozent. Bei Kleinbetrieben war die Zahl besonders stark rückläufig.
Dennoch bleibt das System der dualen Ausbildung ein Erfolgsmodell und auch ein Erfolgsgarant für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Jugendarbeitslosigkeit, die in manchen anderen Staaten der EU hohe zweistellige Prozentsätze aufweist, ist in Deutschland nach wie vor gering. Dies zeige, dass das System eine ungebrochen hohe Integrationskraft aufweise.

Ende 2014 haben sich die Bundesregierung, die Länder, die Wirtschaft, Gewerkschaften und die Bundesagentur für Arbeit zusammengeschlossen und die Allianz für Aus- und Weiterbildung gegründet. Deren Ziel ist es, neue Personengruppen für die Ausbildung zu erschließen.

Zusätzlich zu den auf dem Ausbildungsmarkt verfügbaren Stellen sollen im Ausbildungsjahr 2015/16 beispielsweise bis zu 10 000 assistierte Ausbildungsplätze angeboten werden. Diese Ausbildungsform unterstützt leistungsschwächere und sozial benachteiligte Jugendliche aber auch Betriebe, die diese Jugendlichen ausbilden. Darüber hinaus sollen durch eine frühzeitige Berufsorientierung – auch an Gymnasien – oder auch die gezielte Ansprache von Studienabbrechern mehr junge Menschen für die duale Ausbildung gewonnen werden.