Flüchtling, Bettler, Flüchtlingsdebatte, Flüchtlingskrise
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Der Begriff „Flüchtling“ verliert in der ganzen Debatte seinen eigentlichen Sinn. Flüchtlingsein wird dabei oft mit Bettlersein verwechselt. (Foto: dpa)

Erst gestern kamen weitere Flüchtlinge in Dortmund an. Der Polizeieinsatz aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen lief auf Hochtouren. Alles beobachtete, freute sich, hieß die Menschen willkommen oder aber regte sich über unsere neuen Mitmenschen auf.

Das Denken und die Innaktivität der Synapsen – Ein Hindernis im eigenen Kopf

Erst gestern sagte mir noch jemand:

„Mit den Flüchtlingen wird sich vieles verändern und das zum Negativen. Die Gewalt und Kriminalität wird steigen. Du wirst sehen! Ich habe schon viel Erfahrung damit machen dürfen.“

Von diesen vielen Erfahrungen wurde allerdings nur eine einzige erläutert, wohlgemerkt dass es sich bei dieser Erfahrung gar nicht um Flüchtlinge handelte. Auf mein Beharren mit der Bitte um weitere Erläuterungen dieser bedauerlichen Erfahrungen, folgte ein Schweigen und ein eindringlicher Blick ins Leere. Warum also solch eine Art unzureichender Vergleich? Warum werden Begrifflichkeiten und Thematiken dermaßen durcheinander geworfen und völlig aus dem Konzept gebracht? Warum wird das Helfen als etwas Negatives oder gar Abstoßendes angesehen? Wie ist diese engstirnige Denkweise begründet?

Das verzerrte Bild vom Begriff Flüchtling und das fehlende Verständnis für das Leid

Meine Annahme ist, dass der Begriff „Flüchtling“ gar nicht wirklich verstanden worden ist und mittlerweile eine sonderbare, völlig von der Realität abgedriftete „Definition“ annimmt. Flüchtling sein ist nicht das Gleiche wie Bettler sein. Wobei das Bettlerdasein ebenfalls ein schwieriges und leidtragendes Thema ist. Das dürfen wir ebenfalls nicht vergessen. Ja, die Flüchtlinge sind hier in Deutschland angekommen und besitzen nun kein Heim mehr. Das ist die Gemeinsamkeit zwischen Flüchtlingen und Bettlern. Sie haben kein Heim. Sie sind froh, wenn sie ein Dach über dem Kopf haben, ein Platz zum Schlafen und eine warme Mahlzeit. Sie sind dankbar für all das, was sie innerhalb dieser schweren Tage nun hier in Deutschland bekommen haben.

Das sehen wir, wenn wir die Nachrichten verfolgen oder besser noch, wenn wir mittendrin sind und mithelfen. Sie haben weder viel Kleidung, noch andere notwendige Güter zum Leben dabei. Sie fangen nun hier bei Null an und hoffen auf eine friedvolle Zukunft. Raus aus dem Krieg, rein in das Leben voller Hoffnung – wobei sie mit den Gedanken oft noch in der Heimat sind und die Kriegsbilder nicht so schnell aus ihren Köpfen bekommen. Wie denn auch?

Kurz gesagt: Sie haben so gut wie nichts bei sich. Das ist auch logisch, denn sie sind aus einem Kriegsgebiet geflüchtet. Sie haben alles stehen und liegen lassen. Mit großer Wahrscheinlichkeit ihr Hab und Gut verkauft, damit sie Kapital für ihr neues Leben haben. Wenn sie aber ein Handy oder gar ein Smartphone wie das iPhone oder ähnliche Gerätschaften besitzen, heißt es nicht, dass sie keine Flüchtlinge sein können oder das Recht nicht hätten, unterstützt zu werden, einen neuen Platz zum Leben haben dürfen.

Unter ihnen sind Ärzte, Anwälte, Ingenieure, Architekten und andere gebildete Persönlichkeiten. Sie haben auch studiert und eine hohe Ausbildung genossen. Das wird gerne ausgeblendet. Es ist ein Bild in den Köpfen entstanden, was so in der Realität nicht zutrifft. Wenn wir jetzt aus Deutschland flüchten würden, würden wir dann alles hier einfach liegen lassen und es gar nicht mitnehmen, auch wenn wir es besitzen würden? Wenn wir hier in Deutschland steinreich wären und hier Krieg ausbrechen würde, würden wir dann das Geld hier lassen, damit wir ein Flüchtling sein können?

Mit Sicherheit nicht.

Irgendetwas wird da in den Köpfen brutal verwechselt, wenn behauptet wird:

„Sie haben ein iPhone. So schlecht konnte es ihnen doch drüben gar nicht gehen!“