Von 3,5 Millionen Selbstständigen in Deutschland stammen 700 000 aus der Einwanderercommunity. Türkischstämmige Unternehmen erwirtschaften Umsätze in Milliardenhöhe. Das Gesprächsforum Mittelstand würdigte nun deren Unternehmerkultur.
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Deutschland setzt auf Sicherheit. Je besser die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird, umso stärker sinkt die Zahl der selbstständigen Vollerwerbsgründungen im Land. Das zeigt der neue Gründerreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

Laut Bonner Institut für Mittelstandsforschung im vergangenen Jahr mit 346.000 auch deutlich weniger Unternehmensgründungen als 2011 (401.000). DIHK-Präsident Eric Schweitzer sagte dem „Handelsblatt“, er gehe davon aus, „dass sich dieser Trend fortsetzt und wir 2013 weniger als 345.000 Existenzgründungen haben werden“. Erfreulich dagegen: Die Jungunternehmer gehen besser vorbereitet an den Start.

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DIHK-Präsident Eric Schweitzer betonte: „Die erfolgreichen Existenzgründer von heute sind der starke Mittelstand von morgen. Damit wir auch künftig einen wettbewerbsfähigen Mittelstand haben, brauchen wir vor allem eine positivere Einstellung gegenüber der Selbstständigkeit.“

Gründer mit Migrationshintergrund tragen in diesem Zusammenhang dazu bei, die Selbstständigkeitskultur stark zu halten. Das Gesprächsforum Mittelstand, das am 28. Juni 2013 im Deutschen Bundestag stattfand. Das Thema der Veranstaltung war diesmal „Unternehmen mit Migrationshintergrund – Potenziale für die mittelständische Wirtschaft in Deutschland“. Und wie Önder Kurt, Generalsekretär des Bundesverbands der Unternehmervereinigungen e.V. (BUV e.V.) schilderte, sind die Zahlen beeindruckend: „Es gibt in Deutschland 3,5 Millionen Selbständige, davon haben rund 700 000 Migrationshintergrund“. Von diesen 700 000 Unternehmern seien 400 000 bereits eingebürgert.

Türkischstämmige Unternehmen – so die Prognose – werden bis 2015 einen Jahresumsatz von 130 Milliarden Euro erwirtschaften. Und immer mehr türkischstämmige Unternehmen würden ins Ausland gehen, um dort Deutschland zu vertreten. Die Wachstumsrate von Unternehmen mit Migrationshintergrund liege bei neun Prozent jährlich.

Anerkennungs- statt bloßer Willkommenskultur

Jeder dritte neue Gewerbebetrieb werde mittlerweile von einem Bürger ohne deutsche Staatsbürgerschaft angemeldet, schilderte auch MdB Claudia Bögel. Unternehmen mit Migrationserfahrung seien Brückenbauer, die eine wichtige Säule des deutschen Mittelstandes sind und den Zugang zu ausländischen Märkten eröffneten. Claudia Bögel mahnte eine wirkliche Anerkennungskultur und erfolgreiche Beispiele in den Medien an.

Ähnlich sah MdB Bijan Djir-Sarai die Situation. Er nahm insbesondere Anstoß an der einseitigen Tendenz in der Medienberichterstattung: „Ghettoisierung und Kriminalität stehen im Vordergrund, natürlich existieren diese Probleme, aber es sind Randerscheinungen. Mich hat gestört, dass Menschen, die in Deutschland etwas erreicht haben, nie gezeigt wurden.“ Die meisten Unternehmer aus Einwandererfamilien wären fleißige Kämpfer: „Sie sagen: Bitte weniger Staat und sie haben ein tiefes Gefühl für eine hohe Eigenverantwortung.“

Auch Serkan Tören, der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, lobte Eigenschaften wie Mut und Entschlossenheit seitens der Menschen, die emigrieren. Genau dies brauche man, um ein Unternehmen zu gründen. Serkan Tören forderte auch ein Umdenken beim Begriff der „Willkommenskultur“: Es müsse besser „Anerkennungskultur“ heißen. „Unternehmer sind keine armen Migranten, die bedauert werden wollen, sondern sie wollen behandelt werden wie jeder andere auch.“

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