Vor einigen Tagen hielt die CDU im Konrad-Adenauer-Haus eine Konferenz zum Thema Zuwanderung und Integration ab. Der Hausherr der Veranstaltung war der Generalsekretär der Partei, Dr. Peter Tauber.

Er möchte die Partei den Einwanderern öffnen. Hierfür musste der 40-jährige Hesse im Netz einen Shitstorm nach dem anderen einstecken. Von seiner Position abweichen will er jedoch nicht.

Die CDU möchte ihre Türen für Einwanderer öffnen. Wie will die CDU das machen?

Es reicht nicht, nur die Türen aufzumachen – wir müssen die Menschen auch wirklich einladen, bei uns mitzumachen. Wenn man Menschen erreichen möchte, dann ist Sprache der Schlüssel. Wir müssen Wörter und Begriffe finden, bei denen sich Menschen angesprochen fühlen und nicht abgestoßen. Dafür muss man erst einmal genau zuhören. Ich spreche derzeit mit sehr vielen Leuten – auch mit vielen aus der türkischen Community. Ich frage sie dann: „Was interessiert euch? Was spricht euch an? Was müssen wir tun, um euch für eine Mitarbeit in der CDU zu gewinnen?“

Wie wollen Sie sie von der CDU überzeugen?

Da gibt es keine generelle Antwort. Es kommt auf jeden Einzelnen an. Jeder Mensch ist anders und jeder hat eigene Ideen und Ziele. Für uns als CDU ist Familie ganz wichtig. Menschen, die sagen, „Familie ist für mich auch sehr wichtig“, können sich bei der CDU sehr zuhause fühlen. Es gibt andere, die sagen: „Ich möchte ein Unternehmen gründen. Oder Ich habe ein eigenes Geschäft. Was tut die CDU für mich?“. Ich würde gern mit diesen Menschen über Wirtschaftspolitik reden. Jeder hat andere Fragen an die CDU. Unsere Aufgabe ist es, diese Fragen zu beantworten.

Wie steht die CDU zur Anerkennung des Islam als Körperschaft des öffentlichen Rechts in Deutschland?

Ich finde persönlich, dass die Moscheen in Deutschland nicht in Hinterhöfe oder Industriegebiete gehören, sondern auch in die Mitte der Städte. Jeder soll sehen, was dort geschieht. Es soll sichtbar sein, dass sich Menschen in der Moschee unterhalten, ihr Zusammenleben in der Gemeinschaft pflegen und miteinander beten. Das tue ich auch als Christ in meiner Kirche. Wir müssen eine Kultur entwickeln, in der sich Religionen gegenseitig akzeptieren. Christen müssen Muslime in der Gesellschaft akzeptieren – und Muslime müssen offener gegenüber Christen werden. Das müssen wir in Deutschland hinbekommen.

Wie sieht es bei Ihnen in Hessen aus?

In Hessen, meinem Heimatland, haben wir angefangen, Islamischen Religionsunterricht an Schulen anzubieten. Solch ein Islam-Unterricht an Schulen war und ist nicht einfach, weil es im Islam wie auch bei uns Christen verschiedene Strömungen gibt. Wir müssen darüber sprechen, wie wir einen Unterricht anbieten können, wo wir alle muslimischen Schüler erreichen können. Wir müssen eine Struktur schaffen, in der die Menschen mit muslimischem Glauben, die bei uns und mit uns leben, sich zuhause fühlen und ihre Religion in Freiheit ausleben können. Bei uns gilt Religionsfreiheit – und das ist ein sehr wichtiges Gut.

Lesen Sie Bücher über den Islam?

Ich lese auch immer wieder mal ein Buch über den Islam. Aber momentan habe ich keins auf dem Nachttisch liegen.

Als was für eine Partei sehen Sie sich?

Die CDU ist die große Volkspartei der Mitte. Wir haben sehr viele unterschiedliche Menschen bei uns – da ist es wichtig, dass wir gemeinsame Werte als Basis haben, die alle Mitglieder teilen. Ich wünsche mir natürlich auch, dass sich Menschen mit türkischen Wurzeln noch stärker in der CDU engagieren. Wir haben bei der Frage des Beitritts der Türkei in die Europäische Union eine klare Position. Wir sagen aber auch, dass Muslime zu Deutschland gehören. Natürlich müssen Menschen in Deutschland ihre Moscheen bauen können. Allerdings setzen wir uns auch dafür ein, dass Christen in islamisch geprägten Ländern ihren Glauben leben und Kirchen bauen können.

Wie haben Sie vor, ihre neue Migrationspolitik an der Basis durchzusetzen?

Zum Teil muss ich gar nicht mehr überzeugen, das machen die Menschen mit Migrationshintergrund schon selber. Alleine in meinem Ortsverband haben wir sechs türkischstämmige Mitglieder. Und wir haben Menschen, die aus England, aus Italien und aus anderen Ländern kommen. Selbstverständlich können diese Menschen, sofern sie unsere Werte teilen, in der CDU mitmachen. Aber andererseits gibt es auch Leute, bei denen wir Überzeugungsarbeit leisten müssen. Wir möchten unsere Stadtverbände davon überzeugen, dass es gut und wichtig ist, zugewanderte Menschen, die sich in Deutschland zuhause fühlen und hier Verantwortung übernehmen wollen für die Zukunft, für die CDU zu gewinnen. Weil die meisten dieser Menschen fleißig sind und sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut haben.

Einwanderung und Migration waren für die CDU nicht immer einfache Themenfelder. Die CDU hat sich bis heute nie so offen wie die SPD in den Fragen Migration und Einwanderung positioniert. Der Höhepunkt in der CDU war die Unterschriftenaktion von Roland Koch gegen die Doppelte Staatsbürgerschaft. Wie unterscheidet sich ihre Migrationspolitik von der der der SPD?

Roland Koch hat als Ministerpräsident viel für Integration gemacht. Sprachförderungen an Schulen, die in seiner Amtszeit angefangen haben, haben sehr viel Anerkennung bekommen. Er hat einen Integrationsbeauftragten in die hessische Landesregierung berufen. Man muss genau hinschauen. Inhaltlich wird es immer viele Unterschiede zur SPD geben. Viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte fühlen sich auch in der CDU zuhause, weil sie unsere Positionen beispielsweise bei der Familienpolitik teilen – oder weil für uns die Religion sehr wichtig ist. Solche Menschen werden sich bei uns immer wohler fühlen als bei der SPD.

Wie werden Sie das Deutschland von Morgen gestalten?

Unsere Gesellschaft wird vielfältiger, da ist der Zusammenhalt umso wichtiger: Ältere Menschen müssen sich für jüngere stark machen, Männer für die Gleichberechtigung von Frauen kämpfen. Ich finde es ist wichtig, dass wir den Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sagen: Wir wollen und wir brauchen euch in diesem Land. Wir wollen eure Ideen, euren Mut für Neues und eure Kraft, um die Zukunft von Deutschland zu gestalten. Das ist mein persönliches Interesse, weil ich sehr viele Freunde mit Zuwanderungsgeschichte habe. Das sind alles tolle Menschen. Ich möchte, dass sie sich in Deutschland wirklich zuhause fühlen und einbringen können, damit wir gemeinsam das Deutschland von Morgen gestalten können.