Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nimmt Glückwünsche einer Besucherin am 22.10.2014 bei der CDU-Konferenz zum Thema

Deutschland sollte die Chancen der Zuwanderung nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stärker nutzen. Die Bundesrepublik habe die Möglichkeit, „ein tolles Integrationsland“ zu sein, sagte die CDU-Vorsitzende am Mittwoch bei einer Konferenz ihrer Partei zum Thema Zuwanderung. Die Gesellschaft müsse Zuwanderung als Chance begreifen für jene, die kämen, und ebenso für jene, die schon da seien.

Ebenso betonte die Bundeskanzlerin, dass der Islam inzwischen zu Deutschland gehöre, „so wie es Bundespräsident Wulff gesagt hat“. Was die terroristischen Gruppierungen angehe, die bei den Menschen den Eindruck erweckten, ob „der Islam insgesamt vielleicht auf einer falschen Seite“ sei, so erklärte Merkel, gebe es überall Missbrauch.

Zu den wachsenden Flüchtlingszahlen sagte Merkel, Deutschland müsse zu jenen, die ins Land kämen, menschlich sein. Im Moment gebe es hier große Herausforderungen.

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit Monaten kontinuierlich. In vielen Städten und Gemeinden gibt es Probleme bei der Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen. Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) will am Donnerstag mit den Chefs der Staatskanzleien der Länder über die Lage beraten.

De Maizière: Unbequeme Wahrheiten offen ansprechen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wünscht sich mehr Offenheit für unbequeme Wahrheiten in der Debatte über Zuwanderung. „Integration ist anstrengend. Integration ist mühsam. Integration ist aufreibend“, sagte de Maizière, der ebenfalls an der CDU-Konferenz teilnahm.

Es sei alle Mühen wert, diese Anstrengungen auf sich zu nehmen. Es sei aber auch wichtig, unbequeme Wahrheiten offen anzusprechen und Probleme beim Namen zu nennen. In bestimmten Gegenden Deutschlands gebe es nun mal größere Schwierigkeiten bei der Integration als anderswo – darüber zu schweigen, sei nicht sinnvoll.

Deutschland ist zu einem der weltweit beliebtesten Einwanderungsländer geworden. Bei der Zahl der dauerhaften Zuwanderung in die wichtigsten Industriestaaten rückte die Bundesrepublik zuletzt erstmals auf Platz zwei vor – gleich hinter den USA.

Die Zuwanderung nach Deutschland habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, ebenso wie die gesellschaftliche Akzeptanz dafür, sagte de Maizière. Er betonte aber: „Zuwanderung und Integration klappt nicht von selbst.“ Es sei beispielsweise nicht zu viel verlangt, dass Menschen, die nach Deutschland kommen, auch die deutsche Sprache erlernen. Sprachkenntnisse seien zwar nicht allein ausschlaggebend für gute Integration, aber sie seien ein wichtiger Baustein.

Der Ressortchef betonte, Vielfalt bedeute Reichtum für eine Gesellschaft. „Vielfalt funktioniert aber nur mit einem Mindestmaß an Zusammenhalt und Gemeinsinn“, mahnte er. „Dafür braucht man Achtung, Respekt, Kenntnis des anderen und Rücksichtnahme.“ De Maizière appellierte an Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte, sich mehr über ihre Kultur auszutauschen. „Kenntnis ist ziemlich wichtig für Achtung, Respekt und Rücksichtnahme.“ (dpa/dtj)