DTJ Online

Empfängt Gauck zum ersten Mal Erdoğan?

Bundespräsident Gauck im Gespräch mit dem türkischen Premier Erdogan.

Empfängt der Bundespräsident Joachim Gauck demnächst den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Berlin?

Nach Informationen aus türkischen Journalisten-Kreisen hätte der Bundespräsident Joachim Gauck zugesagt, seinen türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdoğan im September oder Oktober in Berlin zu empfangen.

Das DTJ fragte beim Bundespräsidialamt an, doch dieses wollte die Information weder bestätigen noch dementieren. Die Pressesprecherin bat nur darum, in vier oder sechs Wochen noch einmal anzufragen.

Auf die Nachfrage, warum man dann nachfragen sollte, wenn an dem Gerücht nichts dran ist, blieb sie eine überzeugende Antwort schuldig.

Gauck würde sich erneut unglaubwürdig machen

Erst im vergangenen Jahr hatte Gauck bei einem Besuch in Ankara den damaligen türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan und seine Regierung für Einschränkungen von Meinungs- und Pressefreiheit kritisiert. Weiter sagte Gauck: „So frage ich mich heute und hier, ob die Unabhängigkeit der Justiz noch gesichert ist, wenn die Regierung unliebsame Staatsanwälte und Polizisten in großer Zahl versetzt und sie so daran hindert, Missstände ohne Ansehen der Person aufzudecken.“ Das kam in der Türkei überhaupt nicht gut an, weshalb das Tischtuch als zerstritten gilt.

Erst kürzlich hatte Gauck den ägyptischen Machthaber Abd al-Fattah al-Sisi empfangen und musste sich dafür heftige Kritik gefallen lassen. Gauck hatte sich bis zuletzt als „Kämpfer für die Freiheit“ präsentiert – der Empfang Sisis bescherte diesem Bild einige Kratzer.

Sollte es nun tatsächlich zu einem Empfang Erdoğans kommen, fragt man sich, ob Gauck dann nicht erneut seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen würde. Der türkische Präsident hatte sich zuletzt damit hervorgetan, in Wahlkampfzeiten seinen Eid auf Überparteilichkeit zu missachten und missliebige Journalisten massiv mit juristischen Mitteln zu bekämpfen.

„Vielleicht denkt er, er sei immer noch ein Pastor“

Und auch ein offizieller Besuch Erdoğans, der im vergangenen Jahr kein gutes Haar an Gauck ließ, würde doch überraschen. „Vielleicht denkt er, er sei immer noch ein Pastor“, hatte sich Erdoğan mit Blick auf Gaucks Auftritt in Ankara geäußert.

Gauck unterstütze türkische Atheisten in Deutschland, meinte der Regierungschef. Er rede wie die Vertreter eines „Alevitentums ohne Ali“, die man in Deutschland finden könne und die atheistische Überzeugungen unter dem Deckmantel des Alevitentums vertreten würden. Gauck, so Erdoğan, solle sich verhalten wie ein Staatsmann und nicht wie ein Prediger.

Die mobile Version verlassen