Emre bei einer Pressekonferenz

Fenerbahçe ist in der Türkei momentan das Maß aller Dinge. Der Vizemeister sicherte sich zur Saison-Halbzeit die Herbstmeisterschaft und schlug gestern seine Zelte an der türkischen Mittelmeerküste auf. In Antalya arbeitet Fenerbahçe in den nächsten Tagen am Feinschliff und bereitet sich auf eine schwierige Rückrunde vor, in der die „Kanarienvögel“ als Tabellenführer den Vorsprung auf ihre Verfolger weiter ausbauen möchten. Acht Punkte beträgt der Vorsprung nach 17 Spielen auf den Zweitplatzierten Galatasaray.

Das Team von Trainer Ersun Yanal ist sich jedoch bewusst, dass in der Vergangenheit auch schon Mannschaften mit größeren Vorsprüngen den Titel verspielt haben. Darüber hinaus dürfe man sich in der Süper Lig nicht nur auf einen Konkurrenten im Meisterschaftsrennen beschränken. Auch die Klubs hinter dem gelb-roten Erzrivalen wird der 18-fache türkische Meister ernst nehmen. Verlassen wolle man sich in der Rückrunde besonders auf den hohen Teamgeist, der speziell in der Hinserie zum souveränen Auftreten von Fenerbahçe beigetragen hat. Dies beteuerten die Mannschaftskapitäne Emre Belözoğlu, Selçuk Şahin und Volkan Demirel.

Mittelfeldmotor will in der Rückrunde durchstarten

Belözoğlu (Foto) durchlief jedoch in der Hinrunde eine schwierige Phase, denn der dribbelstarke Mittelfeldspieler, der in Europa auch schon für renommierte Klubs wie Inter Mailand, Newcastle United und Atlético Madrid aktiv war, stand der Mannschaft verletzungsbedingt lange nicht zur Verfügung und kam in dieser Saison deshalb nur zu sechs Süper-Lig-Einsätzen. Nun blickt der 33-Jährige aber nach vorne und freut sich auf das Trainingslager in Antalya: „Wir sind glücklich, hier unter Top-Bedingungen unser Trainingslager bestreiten zu dürfen. Hier feiern wir den Startschuss zu einer hoffentlich erfolgreichen Rückrunde, in der wir uns im Vergleich zur Hinrunde noch weiter steigern möchten, damit wir unseren Anhängern die Meisterschaft schenken können.“

Der Weg zum Titel führe jedoch nicht nur über Galatasaray. Auch vor den anderen Teams warnt der Nationalspieler, der bislang 91 Länderspiele für die Türkei bestritt: „Galatasaray ist auf dem Weg zum Titel nicht unser einziger Gegner. Auch Beşiktaş und einige andere Teams der Liga wollen im Meisterschaftsrennen noch ein Wörtchen mitreden.“ Nichtsdestotrotz habe Fenerbahçe die nötige Qualität, den Süper-Lig-Titel nach Kadıköy zu holen. Diese Qualität betrifft insbesondere den starken Kader. „Wir wissen, dass unser Kader zu stark für diese Liga ist. Da genügt auch nur ein Blick auf die Tabelle. Unser Kader reicht vollkommen aus, um die Meisterschaft einzufahren“, stellte Belözoğlu selbstbewusst fest.

Selçuk Şahin: „Trainingslager mit Ersun Yanal sind immer anstrengend“

Belözoglus Mittelfeldkollege Selçuk Şahin gehört zu den dienstältesten Spielern der Mannschaft. Der 32-Jährige wechselte vor elf Jahren von İstanbulspor zu Fenerbahçe und gilt nicht gerade als der populärste Spieler in den Reihen des türkischen Pokalsiegers. An die Reservistenrolle habe er sich aber bereits gewöhnt und weiß mit Kritik umzugehen: „Ich bin schon seit elf Jahren im Verein. Natürlich ist es nicht leicht für einen Spieler wie mich, der oft Kritik einstecken muss. Aber mein größtes Plus ist mein Fleiß. Wenn ich die Chance bekomme, gebe ich auch immer 100 Prozent. Natürlich möchte ich spielen, aber ich werde immer bereit sein.“

Im Trainingslager hat Şahin nun die Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen: „Uns erwartet ein hartes Trainingslager. Nun ist die Zeit gekommen, um wieder an sich zu arbeiten und ehrlich gesagt sind Trainingslager mit Ersun Yanal immer sehr anstrengend. Wir wollen unsere starken Leistungen aus der Hinrunde auch in der Rückrunde fortsetzen und den Vorsprung weiter ausbauen, um den langersehnten Meisterschaftstitel endlich wieder zu holen.“ Die Mannschaft habe jedoch „noch nichts gewonnen“ und möchte die „Ernsthaftigkeit weiter beibehalten“. Şahin versicherte, dass sich seine Mannschaftskameraden dem auch bewusst seien.

Volkan Demirel dankt seinen Vordermännern für den hohen Aufwand

Auf dem Weg zur Meisterschaft verlässt sich Fenerbahçe insbesondere auf seinen Schlussmann. Volkan Demirel behielt in fünf Ligaspielen eine „weiße Weste“ und gilt als Häuptling der Blau-Gelben. „Niemand soll behaupten, dass wir in den Spielen, in denen wir die Siegtreffer erst in der Schlussphase erzielten, Glück hatten. Diese Siege sind doch der Beweis für unseren Willen. Wir kämpfen für die drei Punkte bis zum Schlusspfiff und verfügen dabei über eine gute Ausdauer. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich dafür bei meinen Mannschaftskollegen zu bedanken. Ihr Wille, ihre Arbeit und ihre Leistungen sind auf einem außerordentlich hohen Level“, erklärte der türkische Nationaltorwart in Antalya, der mit Prognosen nichts anfangen könne: „Es gab schon einige Fälle in der Vergangenheit, in der sich ein Verfolger mit acht oder neun Punkten Rückstand doch noch die Meisterschaft holte. Wir kennen unseren Vorsprung, sehen ihn aber nicht als Vorteil an. Zur Zeit denken wir lediglich an das nächste Spiel gegen Torku Konyaspor.“

In der Hinrunde hatte Fener in Konya nach einem 2:0-Vorsprung noch mit 2:3 verloren. Es war eine von nur zwei Niederlagen in der gesamten Hinrunde. Der Rückrundenauftakt für das Team von Ersun Yanal ist am 27.01.2014.