Mit Emre Can und Roberto Hilbert hat die „Werkself“ von Bayer 04 Leverkusen seine Außenverteidiger-Positionen neu besetzt.

Bayer 04 Leverkusen kann mit der Hinrunde sichtlich zufrieden sein. In der Fußball-Bundesliga rangiert die „Werkself“ auf dem zweiten Tabellenplatz hinter dem Herbstmeister FC Bayern München. Auf europäischem Parkett haben die Rheinländer die Champions League-Gruppenphase überstanden und stehen zudem noch im Viertelfinale des DFB-Pokals. Nun gilt es für das Team von Trainer Sami Hyppiä die starke Bilanz aus der ersten Saisonhälfte zu bestätigen. Dazu reiste der Bayer-Tross zum Trainingslager ins portugiesische Lagos, wo die gezielte Rückrunden-Vorbereitung ganz oben auf der Agenda steht.

Neben dem hochdynamischen Offensiv-Gespann um Sidney Sam (wechselt im Sommer zum FC Schalke 04), Heung-Min Son und Torjäger Stefan Kießling werkeln auch noch andere Spieler hinter den Kulissen am erfolgreichen Abschneiden der Leverkusener. Dazu gehören auch etwa Roberto Hilbert (re.) und Emre Can. Beide zeichnen sich vor allem durch ihre Variabilität aus. Während Hilbert auf der rechten Außenbahn verteidigt, überzeugte der junge Can zuletzt auf der Linksverteidiger-Position. Beide wollen in der Rückrunde gemeinsam durchstarten.

Hilbert ist der Routinier unter den beiden, die – auch wenn auf unterschiedliche Weise – eine Türkei-Geschichte aufweisen. Emre Can, dessen Eltern aus der Türkei stammen, kennt das Land wahrscheinlich nur aus den Sommerurlauben und Familienbesuchen. Roberto Hilbert hingegen spielte die letzten drei Jahre für den türkischen Traditionsverein Beşiktaş, wo er unter den Fans einen hohen Status genoss und sich in Istanbul auch auf die Kultur und die Menschen eingelassen hat.

Umschulung zum Rechtsverteidiger war Idee von Bernd Schuster

Mit dieser Lebenserfahrung kehrte er im vergangenen Sommer zurück nach Deutschland und war speziell zum Startschuss dieser Bundesliga-Saison eine feste Größe im Team von Bayer 04. Can hatte es zum Beginn nicht so leicht. Der gebürtige Frankfurter feierte in der Vorsaison zwar mit dem FC Bayern München das Triple, verbrachte die gesamte Saison jedoch nur auf der Ersatzbank des deutschen Rekordmeisters. Und auch nach dem Wechsel ins Ruhrgebiet musste er sich zunächst hinten anstellen. Der deutsche U21-Nationalspieler war erst spät zur Mannschaft gestoßen und benötigte folgerichtig noch etwas Zeit zur Eingewöhnung.

Hilbert (auf dem Foto noch im Beşiktaş-Trikot), der 2007 mit dem VfB Stuttgart den Gewinn der Deutschen Meisterschaft feierte, erinnert sich gerne an seine Zeit bei Beşiktaş zurück: „Ich habe mich für den Schritt ins Ausland bereit gefühlt. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es das Beste war, was ich damals hätte machen können.“ Und auch die Umschulung zum Rechtsverteidiger hat ihre Wurzeln am Bosporus. Dort entwickelte er sich nämlich unter dem damaligen Trainer Bernd Schuster zum unumstrittenen Leistungsträger der „Schwarzen Adler“.

„Der Blonde Engel“ war es auch, der aus dem gelernten Flügelstürmer einen Rechtsverteidiger formte: „Das hat sofort super funktioniert und seither spiele ich hinten. Ich denke dass ich in dieser Position meine Stärken tatsächlich am besten entfalten kann“, ist sich der 29-Jährige sicher, der in Leverkusen während der Hinrunde aber auch mit Verletzungen zu kämpfen hatte. „Das war eine ganz unglückliche Situation und hat mich gestört. Ich bin ja ein Typ, der immer spielen will“, erinnert sich der gebürtige Franke an seinen Innenbandriss, den er im Training nach einem Zusammenprall erlitt, zurück. Nun ist „der Zug“ – so nannten ihn die Fans in der Türkei – wieder fit und arbeitet im Trainingslager an seinem Comeback.

Can war beim FC Bayern bereits als Linksverteidiger erprobt

Der 10 Jahre jüngere Can musste ähnlich wie Hilbert auf den Außenverteidiger-Posten ausweichen. Die Linksverteidiger-Position war jedoch kein Neuland für den Deutsch-Türken, der bislang 13 Bundesliga-Spiele und sechs Partien in der „Königsklasse“ für Bayer 04 Leverkusen bestritt. „Ich habe das ab und an bei den Bayern ja schon mal gespielt, daher fiel mir die Umstellung nicht so schwer“, erklärte der Youngster, der sein Startelfdebüt ausgerechnet im Topspiel gegen seinen Ex-Klub feiern durfte und sich seitdem auch regelmäßig in der Startaufstellung wiederfindet. Sein Kollege auf der rechten Seite kennt die Qualitäten des gelernten defensiven Mittelfeldspielers: „Emre ist durch und durch ein guter Kerl, ein intelligenter Junge, aber er weiß auch selber, dass er noch viel lernen kann und muss. Das wird er auch. Er ist ein Champions-League-Sieger, mehr muss man nicht sagen“, sagte Hilbert schmunzelnd über Can.

An Hilberts Ratschläge hat sich der „Bayer-Teenie“ bereits gewöhnt. Diese fallen dann manchmal auch auf Türkisch aus: „Er kann auch ein bisschen Türkisch, daher können wir uns immer so unterhalten“.