Endax-Studie

Nach den Gezi-Park-Protesten im Sommer des vergangenen Jahres erreicht nun ein weiteres innenpolitisches Ereignis in der Türkei die türkische Community in Deutschland. Doch, worum handelt es sich bei diesem Ereignis eigentlich? Bei den Gezi-Park-Protesten war die Lage im Vergleich dazu etwas klarer: Anfängliche Proteste von Umweltschutzaktivisten für die Erhaltung des Gezi-Parks arteten zu Bürgerprotesten aus, die wenig später auch von gewaltbereiten Trittbrettfahrern als Bühne missbraucht wurden.

Die nunmehrige Krise ist hingegen undeutlicher, weswegen sich für sie im Wesentlichen zwei Bezeichnungen bzw. Lesarten durchgesetzt haben. Die eine Antwort lautet „Parallelstrukturen“:Die türkische Regierung um Premierminister Recep Tayyip Erdoğan behauptet, dass eine „Bande“ sich gegen ihn verschworen habe, die ihren Einfluss in der Justiz und der Polizei nutzen wolle, um den Staat zu stürzen. Erdoğan zeigt dabei vor allem auf die Hizmet-Bewegung, die seiner Meinung nach Parallelstrukturen zum Staat aufgebaut hätte.

Die andere Form der Umschreibung der Krise hingegen lautet „Korruptionsaffäre“: In landesweiten Razzien am 17. Dezember vergangenen Jahres haben Staatsanwälte mehrere Wohnungen und Büros von Persönlichkeiten aus Wirtschaft und aus dem Umfeld von Ministern untersucht. Sie wurden wegen des Verdachts der Korruption festgenommen.

Seitdem herrscht in der türkischen Öffentlichkeit eine Debatte über die Deutungshoheit der Ereignisse: Hat die türkische Regierung einen Putsch abgewendet wie einst bei Ergenekon? Oder sind weite Teile der Regierung tatsächlich in eine umfassende Korruptionsaffäre verwickelt?

Sind die Stimmungsbilder aus den sozialen Medien repräsentativ?

An dieser Debatte beteiligt sich auch die türkische Diaspora in Deutschland sehr intensiv. Hiesige türkischsprachige Medien berichten umfangreich über die aktuellen Entwicklungen. In sozialen Netzwerken wird nicht nur heftig diskutiert. Dort organisieren sich auch Gruppen, um Sympathisanten für die eine oder die andere Deutung der Ereignisse zu mobilisieren. Es hat sich mit der Deutsch-Türkischen Zeitung (DTZ) sogar ein Blog von AKP-Anhängern gegründet, um als deutschsprachiges Medium ihre Positionen und Meinungen zu platzieren. Kurz: Die Betroffenen zeigen großes Engagement und mobilisieren Ressourcen, um ihren Standpunkt zu artikulieren. Doch – was denkt die türkische Community in Deutschland tatsächlich? Wem gibt sie Recht: der Regierung, der Hizmet-Bewegung oder doch keinem von beiden?

Um zu erheben, was die türkische Community über die Ereignisse in der Türkei denkt, wird die Meinungsforschungsinitiative „endaX – Ihre Stimme in Deutschland“ am 12. Februar 2014 eine umfangreiche Befragung zu diesem Thema starten. Die türkische Community ist eingeladen, an dieser Befragung teilzunehmen. Wer seine Meinung dazu auch äußern möchte, ist eingeladen, auf www.endax.de zu registrieren.

Zur Gewährleistung der Datensicherheit erklärt futureorg-Geschäftsführer Kamuran Sezer: „Die Registrierung dauert eine Minute. Dabei nehmen wir den Schutz der Teilnehmerdaten sehr ernst. Auch die Angaben, die die Befragten in der Online-Befragung machen, werden anonymisiert. Das heißt, am Ende wird niemand wissen, wer wie geantwortet hat. Denn das Forscherteam des futureorg Instituts interessiert sich nicht für Einzelmeinungen, sondern um die Meinung einer ganz großen Gruppe, nämlich jener Menschen, die selbst oder deren Vorfahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind.“