In Istanbul tobt ein Streit in der Herrenfriseur-Branche. Einige Friseure, die sich nicht an den Preistarif des Istanbuler Friseuren-Verbands halten wollen, haben sich daher zusammengetan und bieten ihre Dienste für 5-6 Türkische Lira an (unter zwei Euro). Das wiederum beschäftigt die Justiz, da Kollegen ihnen unlauteren Wettbewerb vorwerfen. In Istanbul gibt es etwa 10.000 Herrenfriseure.

Kürzlich hatte sich der Verband auf einen Tarif geeinigt, wonach die Bartfrisur 8, die Haarfrisur 17 und die Kombination aus beidem 25 TL betragen solle. Eine Kinderfrisur sollte demnach 12 TL kosten. Damit gaben sich allerdings nicht alle zufrieden und kündigten ihre Austritt an. Auch Öztürk Karahan gehört zu jenen, die nicht mehr im Verband vertreten sind und günstigere Preise anbieten.

„Ich kann nicht 20 Lira fürs Haareschneiden verlangen“

Karahan unterhält zwei Läden in Avcılar und Esenyurt. „In Tagen, in denen die Menschen über ein monatliches Einkommen von 700-800 Lira verfügen, kann ich es nicht über mein Herz bringen, 20 Lira fürs Haareschneiden zu verlangen“, sagt er gegenüber Zaman.

Kollegen hätten ihn angemahnt, seine Preise zu erhöhen. Doch er denke gar nicht daran. „Wir wollen frei in unserer Entscheidung sein. Die Leute sollen mit dem Geld, das ihnen in der Tasche bleibt, ein Hähnchen holen, dann haben sie zwei Tage lang etwas zu essen“, so Karahan.

Anders sieht das der Vorsitzende des Verbands. Sie würden Kollegen, die Preise weit unter dem vereinbarten Tarif anböten, verklagen, selbst wenn diese nicht mehr Mitglied seien. „Das ist unlauterer Wettbewerb“, zeigt sich Şükrü Akyüz enttäuscht. Die Preise seien deutlich unter dem Tarif, „das geht nicht“.