Die Kontroverse in der Türkei um die Hürriyet-Überschrift zum Todesurteil gegen den früheren ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi geht weiter.

Nach dem offenen Brief der Hürriyet schoss nun Erdoğan-Chefberater Yiğit Bulut scharf gegen die zur Doğan-Mediengruppe gehörende Zeitung. Dabei bediente er sich einer sehr aggressiven Sprache.

Im Staatssender TRT erklärte Bulut in einer Live-Sendung, dass er „zwei Waffen und hunderte Patronen“ habe und niemand dem gewählten Staatspräsidenten etwas antun könne, bevor er sterbe (siehe YouTube-Video unten, ab 17:15).

Bulut sagte, er sei nicht der einzige im Land, der so denke. Er spreche im Namen von „Millionen“.

„Vergessen Sie an ihn gerichtete und erniedrigende Briefe, vergessen Sie die Beleidigungen […], bevor die Millionen, die an die Türkei im Jahre 2023 glauben, nicht den Märtyrertod sterben, wird der Präsident nicht zum Märtyrer werden.“

Das Jahr 2023 spielt für Erdoğan und seine frühere Partei AKP eine herausragende Rolle. Dann nämlich feiert die Türkei ihren 100. Geburtstag. Die Regierungspartei will die Türkei bis dahin unter die Top 10-Wirtschaftsnationen der Welt führen. Präsident Erdoğan gedenkt, bis 2024 an der Macht zu bleiben – eine Wiederwahl im Jahr 2019 vorausgesetzt, erscheint dies nicht abwegig.

Hintergrund der Kontroverse ist eine Schlagzeile der Hürriyet, die am Wochenende den Titel: „Die Welt geschockt: Todesurteil für einen mit 52 Prozent gewählten Präsidenten“ gewählt hatte. Dies hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan erzürnt. Schließlich war auch er im vergangenen Sommer mit 52 % zum Präsidenten gewählt worden. Folglich habe die Überschrift von Hürriyet ihm gegolten, was die Zeitung zurückwies.

Bulut fiel in der Vergangenheit häufiger mit scharfzüngigen Thesen und Aussagen auf. Im April vergangenen Jahres forderte er, die Türkei solle die Beziehungen zu Europa „schleunigst beenden“. Der Berater warnte zuvor, fremde Mächte wollten Erdoğan durch Telekinese, also durch übersinnliche Methoden, töten.